44 Stunden Flug für eine Woche Cook Islands

Eindrücke aus dem Paradies aus Sicht eines Reiseprofis

Als Produktmanager bei einem Reiseanbieter tue ich viele Dinge, wenn es um meine Leidenschaft, das Reisen, geht. Aber in 9 Tagen 44 Flugstunden absolvieren, um nach Rarotonga zu fliegen? Muss ich mir das antun? Ganz klar: Ja, ich muss!

Wer träumt nicht von der Südsee – weiße, palmengesäumte Strände inmitten der endlosen Weite des Pazifik. Für mich der Inbegriff des Paradieses. Bisher kenne ich ein wenig von Tonga und Fiji ganz gut, aber die Cooks, ein unabhängiger Inselstaat in „freier Assoziierung mit Neuseeland“, kenne ich nur von den Fotos der Hauptinsel Rarotonga und der atemberaubenden Laguneninsel Aitutaki, die als Perle der Südsee gilt.

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Die lange Anreise:

An einem sonnigen Sonntag im Dezember starte ich. Meine erste Etappe geht von München nach Zürich. Kaum ist der Snack serviert, beginnt schon der Landeanflug. In Zürich habe ich 2,5 Stunden Zeit, um in die Swiss-Maschine zu steigen, die mich in 12 Stunden Flugzeit zum Airport LAX (Los Angeles) bringt. Ich kaufe mir ein gutes Buch und erledige die letzten Telefonate. Der Flug nach L.A. hebt um 13:15 planmäßig ab.

12 Stunden später: Die anderen Passagiere freuen sich, denn sie sind endlich am Ziel. Ich habe nun erst gut die Hälfte hinter mir und der Tag fühlt sich jetzt schon wie eine Ewigkeit an. Ich bin schließlich seit 19 Stunden unterwegs. Immerhin wird es endlich dunkel – Sonnenuntergang juhu. Die Wartezeit von 5:45 Stunden am Flughafen zieht sich gewaltig. Ich lege mich mit meinem aufblasbaren Kopfkissen auf den Boden und döse vor mich hin.

Die letzte Etappe fliege ich mit Air New Zealand, die einmal wöchentlich nonstop von L.A. nach Rarotonga fliegt, da spart man sich den Umweg über Australien oder Auckland. Jetzt sind es noch einmal 9 Stunden im Flugzeug. Gold wert ist mein Kopfhörer mit Rauschfilter, der das Fluggeräusch weitgehend ausblendet. Dieser ist neben Ohrenstöpseln, Schlafbrille, Halsbonbons, Nasenspray und meinem Tablet das wichtigste Utensil zur Überwindung dieser Flugdauer.

Nach 30 Stunden Reisezeit bin ich endlich am Ziel: Avarua, die „Hauptstadt“ der Cook Islands ist in Sicht und die Sonne geht wieder auf. Geschafft! Zum Glück habe ich drei Sitze im Mittelblock für mich allein und so kann ich sogar ein paar Stunden schlafen.

Ankunft in Rarotonga:

Die Einreise ist rasch erledigt, und schon bekomme ich einen Blumenkranz um den Hals gehängt. Jetzt schnell in den Bus und nach 10 Minuten sind wir schon im Hotel. Hier hat man keine langen Transfers, denn die Straße um die Insel misst 32 Kilometer und in 45 Minuten ist man einmal rundherum gefahren.

Es verkehren zwei Busse: Clockwise und Anti-Clockwise, also einer im und einer entgegen dem Uhrzeigersinn, jeweils zur vollen Stunde. Einfach!

Nachmittag am Muri Beach:

Den Nachmittag verbringe ich am berühmten Muri Beach mit meinen ebenfalls von weither  angereisten Kollegen, Reisespezialisten aus verschiedenen Kontinenten und Ländern wie Australien, Neuseeland, Nordamerika, Asien, sowie Süd- und Nordeuropa. Es gibt kühle Getränke, Plaudereien und eine Bootsfahrt in der Lagune. Ich darf mich nur nicht auf diese einladenden Strandliegen legen, nein! Nach einem köstlichen Abendessen im Tamarind House sinke ich glücklich in die Kissen und bin endlich am Ziel meiner Träume – in einem echten Bett.

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Reisespezialisten unter sich:

Der nächste Tag beginnt mit Arbeit: Cook Islands Tourism bittet zu einem Forums-Tag mit Vortrag und anschließenden Diskussionen ins Highland Paradise, einem vielfach prämierten Kulturzentrum der Cook Islands. Ein Besuch dieser auf einem Hochplateau im Hinterland gelegenen Stätte mit grandioser Aussicht auf das weite Blau des Pazifiks bietet einen authentischen Einblick in die kulturelle Geschichte der Insulaner und wird hiermit von mir sehr empfohlen.

Der Rest des Tages und der ganze nächste Tag sind voll mit Terminen. Eine Menge davon  sind „site inspections“. So nennt man die Hotelbesichtigungen.
Ich habe diese Anlagen besucht und Fragen dazu kann ich gerne beantworten:

Edgewater Resort & Spa, Palm Grove Villas, Pacific Resort Rarotonga, Te Manava Luxury Villas, Aro’a Beachside Inn, Cooks Bay Villas, Manuia Beach Resort, Crown Beach Resort & Spa, Te Vakaroa Villas, Muri Beachcomber, Rarotonga Beach Bungalows, Royale Takitumu, Sea Change Villas, Little Polynesian, Magic Reef Bungalows, Sunset Resort

 

Nature Walk mit Pa:

Unvergesslich ist der nachmittägliche Spaziergang mit Pa, dessen zwei Touren der „Cross Island Trek“ und der „Nature Walk“ sind. Der über 70-jährige Polynesier Pa, der bei Olympia 2000 in Sydney die Fackel für die Cook Islands trug, buddhistischen Glaubens ist, 22 km im Jahre 1985 von Moorea nach Tahiti in Französich Polynesien schwamm und kürzlich Richard Gere zu Gast hatte, ist eine schillernde Persönlichkeit und kennt mindestens eintausend Geschichten. Sein Wissen über die Natur, insbesondere über die lokalen Heilpflanzen, ist groß und er ist ein echter Kenner der polynesischen Kultur.

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Besuch der Insel Atiu:

Der nächste Tag bringt einen Ausflug nach Atiu, einer der äußeren Inseln des Archipels. Der Flug in einem 15-Sitzer von Air Rarotonga und die Aussicht auf Rarotonga aus der Vogelperspektive ist schon die erste Attraktion des Tages. Nach der Landung auf der ungeteerten Piste in Atiu werden wir von einer Delegation mit Musik und Tanz empfangen.

Auf der Rückbank von offenen Pick-ups geht es zu einer Kaffeeplantage im Dschungel und weiter über Schotterpisten zum Hauptort der Insel (die gesamte  Einwohnerzahl Atius ist 450) und weiter zum Ausgangspunkt für die Kopeka Bird Watching Tour. Die Kopekavögel kommen ausschließlich in Atiu vor und leben in der Anatakitaki-Höhle, die  ein heiliger Ort für die einheimischen Familien ist. Der Weg führt uns durch dichten Dschungel über hartes, spitzes Korallengestein, das noch vom Inselriff aus der Urzeit der Vulkaninsel stammt. Ich spüre die Abgeschiedenheit dieses Ortes und fühle mich selbst in die Urzeit zurückversetzt. Meine Kollegin Saskia kämpft derweil eher mit ihren Schmerzen im Bein, die sie sich durch irgendeinen Stich und anschließendes heftiges Tanzen am Vorabend zugezogen hat.

Im Moment herrscht extreme Trockenheit (zur angeblichen Regenzeit) auf allen Inseln und dementsprechend finden wir in den Höhlen kein Wasser vor. Die Kopekavögel, eine Schwalbenart, wirken wie Fledermäuse, da sie in totaler Finsternis nisten und nur aus ihrer Höhle zur Futterbeschaffung hinausfliegen. Dabei landen sie nie außerhalb ihrer Höhle und orientieren sich in der Dunkelheit mit Klicklauten, die ihnen eine Art Ultraschallorientierung ermöglichen. Man kann die Laute der Vögel in der Dunkelheit gut hören.

Nach unserer Rückkehr erwartet uns im Gemeindezentrum ein üppiges Buffet, von den Mamas der Insel zubereitet mit allerlei schmackhaften, einheimischen Gerichten wie Taro, Hühnchen oder Fisch in Kokosnussmilch. Wir greifen gerne zu, denn die Wanderung hat uns sehr hungrig gemacht.

cook-island-rw_004Für uns wird eine Tanzdarbietung veranstaltet. Zum großen Spaß der Inselbewohner machen wir uns lächerlich, als ein paar Teilnehmer unserer Gruppe zu Tanzpartnern auserkoren werden. Als Mann muss ich eigentlich nur meine Knie in großem Tempo zu- und wieder auseinander bewegen. Aber das hat so seine Tücken, wenn man dabei die Füße kaum bewegen soll und sieht ungeübt einigermaßen doof aus. Naja, man muss auch mal was zurückgeben und sei es nur das Lachen in den Gesichtern der Gastgeber.

Zum Abschluss bekommen wir noch eine Einladung ins Tumunu Pub, wo wir ca. 15 bis 20 Personen in einer niedrigen Wellblechhütte mit Instrumenten und einem Fass „homebrew bush beer“ vorfinden. Hier feiert es sich anscheinend lustig, denn als wir eintreten ertönt lauter Gesang begleitet von verschiedenartigen selbstgebauten Instrumenten und die Stimmung ist ausnehmend gut. Der Gastgeber heißt uns herzlich willkommen und bietet jedem reihum zwei bis drei Kokosnuss-Schälchen des Selbstgebrauten an. Als gebürtiger Bayer muss ich sagen, dass diese Menschen was vom Brauen verstehen, denn das „Bier“ hat durchaus einen guten Geschmack und ist süffig. Das finden die Locals wohl auch, denn ein gewisser Überschwang im Gesang und die musikalische Ausgelassenheit lassen doch auf den Genuss von ein paar Schalen des Gebräus aus Fruchtsaft, Malz, Zucker und Hefe schließen.

Leider heißt es für uns nun Abschied nehmen von dieser idyllischen und charmanten Insel und wir fliegen in rund 50 Minuten nach Rarotonga zurück, das uns jetzt fast schon hektisch erscheint.

Folgende Unterkünfte auf Atiu haben wir gesehen, wovon mir die Atiu Villas von Ausstattung und Lage her am besten gefallen haben:
Atiu Villas, Atiu Bed & Breakfast, Are Manuiri – Juergen Manske & Andrea Eimke (deutsche Betreiber)

Ein Tag auf Aitutaki:

Der letzte Tag gehört Aitutaki, der sogenannten Perle des Pazifik und ich muss sagen dieses Attribut steigert meine Erwartungshaltung immens. Auch heute nehmen wir und weitere 30 Passagiere einen Flug mit Air Rarotonga.Gleich nach Ankunft besichtigen wir das Pacific Resort Aitutaki. Eine wunderbar in die Umgebung eingebettete Anlage, die mit viel natürlichen Materialien gebaut wurde und zu Recht zu den „Small Luxury Hotels of the World Hotels“ gehört.

Jetzt geht das los, worauf ich mich schon seit meiner Ankunft freue: eine Bootsfahrt durch die Lagune von Aitutaki mit The Vaka Cruise. Der Himmel ist heute leider bewölkt, aber gelegentlich zeigt sich die Sonne. Die Farben sind trotzdem extrem intensiv und das Wasser in der Lagune ist glasklar und leuchtet in allen Blau- und Türkisfarben. Zusammen mit dem leuchtenden Grün der Palmen und den weißen Stränden komme ich mir tatsächlich wie im Paradies vor. Die abgeschiedene Idylle dieser Lagune ist einfach umwerfend.

Die Crew, die nur aus Einheimischen besteht, ist in bestem Sinne professionell und ausgesprochen fröhlich. An Bord sind rund 20 Personen und alle werden persönlich begrüßt, anschließend zählt Tony, der heute unser Host ist, nochmal alle Nationalitäten auf. Überhaupt erzählt er viele Geschichten und gibt interessante Hintergrundinfos, aber vor allem geht es um Humor und gute Laune. Und davon haben die Cook Islander von Aitutaki eine gehörige Portion und diese gute Laune ansteckend, vor allem vor dieser Kulisse.

Das Boot, das mit Annehmlichkeiten wie Überdachung, Toiletten, Sonnenliegen und Getränkeangebot ausgestattet ist, legt im Aitutaki Lagoon Resort & Spa an, bevor es Richtung Motus (so nennen sich die kleineren Inseln der Lagune) ablegt.

Wir stoppen am Motu Akaiami, wo es zwei Lodges gibt, das Akaiami Paradise und Ginas  Akaiami Beach Lodge – zwei wunderbar einfache Anlagen. Leider sind beide Lodges gerade geschlossen, da in der Nebensaison wohl renoviert wird. Neben unserem Boot liegt übrigens das der Bishops Lagoon Cruise, der zweite Anbieter für day cruises. Aber das Boot ist nicht so hübsch polynesisch dekoriert wie unseres.

Schon signalisiert uns das Muschelhorn der Crew, dass es Zeit ist, zum Boot zurückzukehren, und wir nehmen Kurs auf die Schnorchelstelle. Als wir dort anlegen, sind dort sofort die Giant Trevally (Riesenmakrelen) zur Stelle. Diese großen Fische sind hier die Attraktion. Aber auch die Korallenriffe in einer Tiefe von 2, 3 Metern bieten bunte Unterwasserwelten, die von zahlreichen tropischen Fischen und Riesenmuscheln bevölkert werden. Die Sicht liegt bei rund 20 Metern. Lediglich die Weichkorallen fehlen, aber das tut dem Schnorcheln mit Sicherheit keinen Abbruch.

Kaum raus aus dem Wasser, meldet sich der Magen. An einem appetitlich angerichteten Buffet gibt es gegrillten Thunfisch in Sojasauce mariniert, dazu verschiedene einheimische Gemüsearten (u.a. wieder Taro, die anderen konnte ich mir leider nicht merken) und Süßspeisen sowie Brot.

Jetzt steht ein Besuch auf One Foot Island auf dem Programm. Hier gibt es ein eigenes Postamt und man kann sich einen Stempel in den Reisepass machen lassen. Ich weiß nicht, was es damit auf sich hat, aber auch ich lasse mir den Pass stempeln und schicke eine Postkarte ab. Was ich aber jetzt weiß, ist, dass One Foot Island ein unbeschreiblich schöner Platz ist, romantischer Südsee-Idylle nicht zu überbieten.  Als Weltreisender und professioneller Reisespezialist vergebe ich die höchste erreichbare Punktzahl an ein Reiseziel.

Auf der Rückfahrt schwebe ich nur noch auf Wolke 7 und möchte hier nie mehr weg. Unser Rückflug ist um 19:15 Uhr gebucht und wir müssen nach einer Hotelinspektion des Aitutaki Lagoon Resort & Spa (hier gibt es Overwater-Bungalows!) zum Flughafen. Das Hotel hat eine lange und ruhmreiche Historie, denn Aitutaki war ein Bestandteil der legendären Coral Route von TEAL, dem Vorläufer der Air New Zealand. Hier haben sich schon frühe Hollywood-Größen wie Gary Cooper, John Wayne, Cary Grant und Marlon Brando entspannt.

Bei Ankunft am Flughafen holt meine drei Kolleginnen und mich die Realität ganz schnell wieder ein, denn wir erfahren, dass wir keine vorgebuchten Plätze in der bereits ausgebuchten Maschine zurück nach Rarotonga haben. Das ist ein ziemlicher Schock, denn wir alle haben Weiterflüge gebucht. Ich muss die Maschine um Mitternacht nach Los Angeles erreichen und die Kolleginnen fliegen nach Australien oder Neuseeland.

Es hilft nichts, der Flieger ist voll. Was nun? Ich sehe realistisch keine Chance mehr, meinen Rückflug nach Los Angeles zu erreichen. Blöd, dass der Flug nur einmal pro Woche geht und ich alternativ nur über Neuseeland zurückfliegen könnte, was erheblich länger dauert und dazu hohe Kosten verursacht. Naja, erst mal ein Bier – es gibt schlimmere Orte, wo man hängenbleiben könnte. Trotzdem schade um die schöne Verbindung und wie erklär ich das Frau und Kindern, wenn ich drei Tage verspätet heimkomme?

Da kommt ein Anruf: Cook Island Tourism hat ein Flugzeug von Air Rarotonga gechartert, um uns vier abzuholen! Ich bin total platt, das hätte ich niemals erwartet, noch dazu an einem Samstagabend, wo die Piloten vermeintlich etwas anderes vorhaben, als vier Personen von einer anderen Insel einzufliegen! Der Flughafen wird kurzerhand von zwei Offiziellen wieder in Betrieb genommen, der Inselshuttle holt uns tatsächlich ab und ich erreiche gerade noch den gebuchten Flug nach L.A.

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Nach ein wenig Verspätung, die mir herzlich egal ist, hebt Air New Zealand ab und ich befinde mich auf dem Heimweg. Die Maschine ist voll, aber die Zeit vergeht schnell mit einem von der Sonne Polynesiens prall gefüllten Herzen. In L.A. gibt es kostenloses WLAN, das ist sehr angenehm – der olle Flughafen ist es weniger. Ab in die Lufthansa nonstop nach München, und schon bin ich wieder im Alltag zurück.

Fazit:

Die Cook Islands entsprechen wahrlich dem Ruf der Südsee – sie sind ein echter polynesischer Traum und nicht nur gutes Marketing. Es ist dort tatsächlich so, wie man es sich vorstellt: Perfekte Strände, glasklares Wasser, üppige Vegetation und unbeschreibliche Lagunen. Dazu noch die einzigartig warmherzigen Menschen. Und dafür würde ich jederzeit wieder 44 Flugstunden in Kauf nehmen. Die fantastische Erinnerung an dieses spezielle Stück Erde bleibt mir für immer einzigartig.

 

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1 Kommentar

  1. Richard

    Hallo Ralph,
    hatte gerade eine kleine Arbeitspause zum träumen, dank Deiner tollen Bilder und Berichte…
    liebe Grüße, Richard

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