Doubtful Sound Overnight Cruise: Das Ende des Endes der Welt

Doubtful Sound, das ist der unbekanntere Bruder des Milford Sounds im Südwesten der Südinsel Neuseelands, und einer der wildesten und schönsten Fjorde des Landes. Das Ende des Endes der Welt, sozusagen. Eline erlebt die unberührte Schönheit der Region hautnah auf einem Doubtful Sound Overnight Cruise.

„Eine Kreuzfahrt, worauf habe ich mich da nur wieder eingelassen?!“
Direkt nachdem dieser Gedanke in Anbetracht der meist silbrigen Haarpracht meiner Mitpassagiere in meinem Kopf aufgetaucht ist, verbanne ich ihn energisch. Doubtful Sound, das ist ein bisschen wie das Schloss Charlottenburg der Neuseeländischen Fjorde: Weniger bekannt als Sanssouci (das wäre dann wohl Milford Sound, wenn man der Analogie denn folgen möchte), aber mindestens genauso schön, wenn nicht gar schöner, und weniger von Menschenmassen belagert. Ich freue mich tierisch auf die bombastischen Naturgewalten, die mich da erwarten.

Mit meinen eigentlich doch sehr freundlich wirkenden Mit-Passagieren betrete ich über die Gangway das Zubringerboot, das uns über den Manapouri-See bis zum gleichnamigen Elektrizitätswerk bringen soll.

Auf die Begrüßungsansage des Skippers hin kann ich mir ein Grinsen nicht verkneifen: „Willkommen an Bord! Wir hoffen, dass Sie uns bei uns wohlfühlen werden. Tee und Kaffee stehen Ihnen übrigens kostenlos zur Verfügung. Wir möchten Sie trotzdem bitten, die Getränke nicht auf das Außendeck mitzunehmen, ansonsten ist es wahrscheinlicher, dass Sie den Kaffee als Dekoration ihrer Kleidung tragen werden, statt ihn zu trinken.“

Über den Lake Manapouri und Wilmot Pass zum Doubtful Sound

Erster Blick auf Doubtful Sound

Erster Blick auf die Fjordlandschaft des Doubtful Sound

Natürlich gehe ich auf das besagte Außendeck, wo mir, sobald das Boot Geschwindigkeit aufnimmt, das Lachen förmlich aus dem Gesicht gepustet wird. Schon richtig: Ziemlich windig hier oben. Doch die Aussicht ist bereits jetzt spektakulär: Schroffe Gipfel rundherum, von grünem Regenwald bewachsene Hänge ohne jedes Zeichen menschlichen Eingreifens – und zwar so weit das Auge reicht. Wow!

Nach etwa einer Stunde erreichen wir die Manapouri Power Station, die, wie uns versichert wird, im Alleingang die Südinsel mit Strom versorgen könnte. Von außen lassen sich die Dimensionen der Anlage am See kaum erahnen, und die dichte Vegetation der Umgebung tut ihr Übriges, dass wir uns bereits ein bisschen „am Ende des Endes der Welt“ fühlen. Mit dem Bus fahren wir weitere 50 Minuten durch den Regenwald über die Wilmot Pass Road, der uns vom Doubtful Sound trennt. Diese Straße ist übrigens eine doppelseitige Sackgasse, also ausschließlich per Schiff über den See und Doubtful Sound erreichbar, und war die teuerste Straße, die in Neuseeland jemals gebaut wurde. Nach einem Fotostopp mit erstem Blick über einen mystisch-wolkenverhangenen Doubtful Sound, erreichen wir schließlich Deep Cove.

Deep Cove ist der einzige Ort in Doubtful Sound. Einwohnerzahl: 2. Am Pier ankert unser schwimmendes Zuhause für eine Nacht. Die „Fiordland Navigator“ ist ein schönes, eigens für Übernacht-Kreuzfahrten im Doubtful Sound gebautes Schiff, das neben großzügigen Außendecks über eine gemütliche Lounge, ein verglastes Observation Deck und verschiedene Kabinenkategorien verfügt. Als preisbewusste Alleinreisende habe ich mich für eine Koje in einer geteilten Vierbett-Kabine entschieden. Einfach, aber zweckmäßig.

Darüberhinaus gibt es selbstverständlich auch Doppelkabinen, einige davon mit eigenem Bad. Insgesamt bietet der Dreimaster genügend Platz für 70 Passagiere plus Crew – eine angenehme Größe, wie ich finde.

Kajakfahren und Beiboote im Doubtful Sound

Magischer Doubtful Sound im Regen

Donnernde Wasserfälle im Doubtful Sound

Nach einem freundlichen Willkommen von der Crew und vom Skipper setzen wir die Segel – allerdings in diesem Falle rein symbolisch gesprochen. Der Wind im Doubtful Sound steht nahezu immer landeinwärts, so dass uns die Motoren den Fjord hinab bugsieren. Es ist wolkig und nieselt ein wenig – was die spektakuläre Landschaft um so geheimnisvoller erscheinen lässt. Wir sind umgeben von turmhohen, wolkenverhangenen Fjordwänden, die so steil sind, dass durch den Regen allerorten tosende Wasserfälle entstehen. Was für ein Anblick, der mit dem Live-Kommentar von Nature-Guide Carol um so besser wird.

Zwischenzeitlich erspähen wir eine Delfin-Mutter mit frisch geborenem Kalb. Die beiden Meeressäuger zaubern im Handumdrehen ein Lächeln auf alle Gesichter.

Ich kann mich kaum an der Umgebung sattsehen, und freue mich sehr, als die Nachmittags-Aktivitäten angekündigt werden. Wir haben die Wahl zwischen einer Kajaktour und einer Bootsfahrt in einem der mitgeführten Beibooten. Gemeinsam mit Maik und Beat, meinen gut gelaunten Schweizer Kojengenossen, entscheide ich mich für die Kajaktour. Es beginnt zwar immer stärker zu regnen, doch erscheint uns die Fahrt mitten durch die Naturgewalten dadurch um so spannender.

Kajakfahren im Doubtful Sound

Kajakfahren rund um die „Fjordland Navigator“

Während unsere Einer-Kajaks zu Wasser gelassen werden, bekomme ich erste Zweifel an meiner Entscheidung, nicht noch schnell einen Bikini angezogen zu haben. Es regnet immer stärker. Immerhin: Kalt ist es nicht. Innerhalb von drei Minuten auf dem Wasser bin ich bis auf die Knochen durchgeweicht – und grinse glücklich vor mich hin. Es ist fast, als würde der Regen Endorphine enthalten.

Was für ein Gefühl, alleine in einem Kajak mitten durch diese unberührte Natur zu paddeln. Worte fehlen für die pure Gewaltigkeit der Umgebung. Ich werfe einen Blick um mich auf die anderen Kajaks: allerorts strahlen mir pudelnasse, glückliche Gesichter entgegen.

So eine Kajaktour verbindet. Nach etwa einer Stunde auf dem Wasser sind wir froh, wieder Fuß auf „unsere“ Navigator zu setzen, wo uns die Crew bereits mit warmen Handtüchern erwartet.

„Would you like to go for a swim?“, werden wir gefragt. Eigentlich keine schlechte Idee, nass sind wir schließlich ohnehin schon. Ich befreie mich von meiner – ohnehin klatschnassen – Hose und springe im T-Shirt und Unterwäsche in das warme Fjordwasser. 19 Grad – das ist jedenfalls wärmer als der Regen!

Wo der Doubtful Sound auf das Meer trifft…

Pelzrobben am Doubtful Sound

Pelzrobbenkolonie am Doubtful Sound

Eine warme Dusche später fühle ich mich wie neu geboren. Die Crew serviert heiße Suppe in der Lounge, über der angeregt über unser nasses Abenteuer im Fjord gesprochen wird. Erste Flaschen Wein werden an der Bar bestellt, und der Gemütlichkeitsfaktor steigt beständig. Die Beiboot-Passagiere haben ebenfalls eine nasse Fahrt hinter sich, schwärmen mit uns Kajakfahrern um die Wette von der traumhaften Unberührtheit der Umgebung.

Die Navigator setzt derweil Kurs auf den „Outer Sound“, also dort, wo der Fjord auf das offene Meer trifft. Dort befinden sich drei Inselchen, auf der sich eine Kolonie von neuseeländischen Pelzrobben angesiedelt hat. Wind und Wetter zum Trotz traue ich mich – im einzigen noch trockenen Bekleidungsset, das ich dabei habe – nach draußen, um mit einem vom Kapitän ausgeliehenen Fernglas die verspielten Babyrobben zu beobachten. Putzig, wie sie sich erstaunlich behände auf den Felsen und in den Wellen tummeln.

Schlemmen am Ende der Welt

Lounge im Fiordland Navigator

Die gemütliche Lounge der Fiordland Navigator

Während langsam die Dunkelheit über dem Doubtful Sound Einzug hält, werden wir zum Abendessen gerufen. Beim Anblick des Buffets, das uns hier aufgetischt wird, läuft mir das Wasser im Mund zusammen. Chefkoch Stefan und seine Crew haben alle Register gezogen. Mannigfaltige Salate und Suppen, diverse Sorten saisonalen Gemüses, Gemüsecurry, Saffran-Reis und Backkartoffeln, hauchzarte Lamm- und Rinderfilets, Meeresfrüchte und frischer Fisch aus der Region – es fällt schwer, sich zu entscheiden. Als Kompromiss lade ich zwei Mal Mini-Portiönchen der verschiedenen Speisen auf meinen Teller, um möglichst viel probieren zu können.

Vierbett-Kabine auf der Doubtful Sound Overnight Cruise

Vierbett-Kabine: Einfach, aber zweckmäßig.

Mit exzellentem Wein von der schiffseigenen Bar wird es am Tisch schnell gemütlich. Innerhalb kürzester Zeit werden Alters- und Herkunftsbrücken zwischen den Mitreisenden geschlagen. Ich scheine, wenn ich mich in der Lounge umsehe, tatsächlich zu den Jüngsten an Bord zu gehören. Das tut der Geselligkeit jedoch keinen Abbruch: Die Mahlzeit vergeht im Fluge, und auch das Nachtischbuffet mit Pavlova, Mousse au Chocolat bis hin zu Obstsalat und Käseplatten trägt zum allgemeinen zufriedenen Sattsein bei.

„Sehr fein!“, fasst Beat – seines Zeichens selbst Koch – die Mahlzeit zusammen. Darauf können sich alle am Tisch einigen.

Noch lange nach Ende der Mahlzeit bleiben wir an unserem Tisch sitzen. Wir, das sind meine beiden Kojengenossen Maik und Beat, außerdem zwei frisch pensionierte Paare aus Großbritannien, na, und ich natürlich. Wir unterhalten uns bestens; über die Politik, die Schönheit Neuseelands, die britische Monarchie, die Schönheit Neuseelands, das Führen eines eigenen Betriebes und natürlich über die Schönheit Neuseelands.

Nebenan auf dem Observations Deck findet derweil ein Vortrag unserer mitreisenden Biologin über die Region, statt. Ein bisschen tut es uns Leid, dass wir uns verquatschen – und somit den sicherlich interessanten Vortrag verpassen. Andererseits, so viel habe ich bereits gelernt, sind Geselligkeit und Entschleunigung wichtige Faktoren einer solchen (Mini-)Kreuzfahrt. Menschen zu treffen, denen man im normalen Leben niemals begegnen würde, ist einer meiner Lieblingsnebeneffekte des Reisens, und auf einer Doubtful Sound Overnight Cruise ist das ganz sicher der Fall!

Besser als jeder Wecker…

BRRRRRRUMMMMMMM!Doubtful_Morgen2

Um Punkt 6:30 Uhr stehe ich senkrecht im Bett. Die startenden Schiffsmotoren sind der bestmögliche Wecker; in etwa vergleichbar mit einem Eimer Wasser über den Kopf, nur weniger kalt. Nach einem Blick auf meine Kabinengenossen ist klar, dass nicht nur ich das so empfinde. Schlaftrunken torkele ich ins Bad, wo ich von einer aufgeregten und sehr britischen Mitreisenden abgefangen werde: „Have you seen the sunrise? It’s simply magnificent!“

Neugierig gehe ich an Deck, wo mich ein Anblick erwartet, der unterschiedlicher vom vorherigen Tag kaum sein könnte. War Doubtful Sound gestern noch mysteriös wolkenverhangen mit leichtem Seegang erwartet uns heute eine tiefenentspannte Wasserfläche, in der sich verträumte rosa Wolkenfetzchen an tiefgrünen Steilhängen spiegeln. Die Maler der Romantik hätten ihre glatte Freude daran, und mein Versprechen an mich selbst, heute bloß weniger zu fotografieren, ist schlagartig vergessen, bis mich die morgendliche Kühle zum Kaffee- und Frühstücksbuffet in die Lounge treibt.

Frühstück hilft! Neben dem in Neuseeland und England gleichermaßen beliebten Porridge (warmem Haferbrei) gibt es eine Auswahl an Frühstücksflocken, Obst, Toast, Eiern nach Wahl und selbstverständlich Bacon und Beans, die ich persönlich lieber den Briten unter uns überlasse. Dazu anständigen Filterkaffee, verschiedene Säfte und Tee-Sorten.

Morgenmagie im Doubtful Sound

Morgenmagie im Doubtful Sound

Einzigartige Morgenmagie im Doubtful Sound

Derartig gestärkt trauen wir uns bald wieder an Deck, wo die ersten Sonnenstrahlen mittlerweile den Fjord erwärmen. Ein bisschen fühlen wir uns wie die Nachfahren von Captain Cook, während wir mit gehissten Segeln die entlegenen Arme des Doubtful Sound durchkreuzen.

Ein Highlight des Morgens sind sicherlich die „Sounds of Silence“. Für zehn Minuten treiben wir in einer ruhigen Bucht. Der Skipper schaltet alle Motoren und den Schiffsgenerator komplett aus, so dass wir Passagiere und Crew einfach nur die Geräusche der umgebenden Wildnis erleben können.

Für einige Minuten halten uns das Donnern der Wasserfälle, die Laut der Vögel und das leise Kabbeln des Wassers in ihrem Bann, und jeder einzelnen Person an Bord wird klar: Diese Schönheit sollte, muss bewahrt bleiben, so dass auch unsere Enkelsenkel sie noch erleben können werden.

Als die Motoren wieder anspringen, überfällt uns eine leise Wehmut. Unsere eintägige Zuflucht in der Natur des Doubtful Sound ist bereits fast vorüber. Wir schießen letzte Fotos, bewundern tauchende Pinguine auf dem spiegelklaren Wasser, tauschen Adressen aus und legen, bevor es uns lieb ist, bereits wieder am Pier im Deep Cove an.

Zurück geht es so, wie wir gekommen sind: Über den Wilmot Pass und Lake Manapouri zurück nach Lake Manapouri. Ein einzigartiges Abenteuer am Ende des Endes der Welt geht zu Ende. Zum Glück hält Neuseeland noch viele weitere Abenteuer bereit…!


Fragen und Wünsche zu dieser Tour?

Die Reiseexperten von Walkabout Travel beraten und buchen gern den „Doubtful Sound Overnight Cruise“ sowie weitere unvergessliche Neuseeland-Abenteuer für Sie. Bei Fragen und Wünschen hilft unsere Hotline gern zum Ortstarif unter Tel. 089 33980870.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Newsletter abonnieren (Jederzeit wieder abbestellbar)