Blaue Moschee in Istanbul

Übers Wochenende nach Istanbul

Eindrücke einer Gruppenreise von Touristikern

Meine Kollegen und ich arbeiten als Reisespezialisten, wir buchen individuelle Urlaubsreisen. Was liegt da näher, als gemeinsam zu verreisen? Das ist sozusagen Feldforschung: Wie ergeht es dem Reisenden, wenn unsere Arbeit getan ist und er am Ziel seiner Träume angekommen ist.

Es ist Oktober und wir fliegen nach Istanbul – 16 Millionen Einwohner, Brücke zwischen Orient und Okzident, internationales Flugdrehkreuz, Boomtown und Party-Stadt. Gefällt uns.

16 Millionen Einwohner und der Verkehr

Wir starten am späten Nachmittag und kommen nachts am Flughafen Istanbul Ataturk an. Es herrscht um diese Zeit noch reger Betrieb, lange Menschenschlangen winden sich entlang der Absperrungen durch die Kontrollen und streben den Gepäckbändern zu. Trotz der zahllosen Menschen gibt es kein Stehen, die Schlangen sind ständig in Bewegung und das ist gut.

Als ich alle Kontrollen hinter mir und das Gepäck bei mir habe, trete ich hinaus in die schwülwarme türkische Nacht. Mit ein paar Kollegen sehe ich mich nach einem Taxi um. Auch hier wieder Menschenschlangen, die schnell in Taxis einsteigen und davonbrausen. Ein System ist nicht erkennbar, wir stellen uns an. Als wir ganz vorne ankommen, will uns kein Taxi aufnehmen. Andere kommen derweil von hinten und steigen  trotzdem ein. Als ich gerade protestieren will, öffnet sich auf wundersame Weise eine Taxitür und wir können einsteigen.

Es riecht nach Schweiß, wir sind es nicht. Als Mann sitze ich vorne, Frauen müssen in der muslimischen Türkei im Auto hinten sitzen. Auf mein Geheiß schaltet der Fahrer sein Taxameter ein. Ich bin zufrieden und entspanne mich. Die Autobahn ist leer, der Fahrer ist flott unterwegs. Groß steht auf vielen Straßen 30 km/h geschrieben. Als ich auf den Tacho sehe, steht da 120 km/h! Meine Entspannung ist sofort wieder weg, aber die massiv überhöhte Geschwindigkeit scheint den Fahrer nicht zu stören. Auch rote Ampeln sind kein Thema, da fährt er einfach durch, ist ja nichts los. Einige Kollegen rutschen sehr tief in ihren Sitz.

Taxifahren in Istanbul ist mitunter ein Abenteuer. Die Preise sind Verhandlungssache, Taxameter wird teilweise ignoriert und die Beförderung selbst wird manchmal sogar verweigert. Es existieren fast soviele Geschichten zum Thema Taxifahren in Istanbul wie Einwohner. Der Verkehr ist sowieso eine Katastrophe, aber irgendwie geht es dann doch immer.

Sightseeing und Cruise

Nach einer ruhigen Nacht (bis auf die paar feiernden Kollegen – Ohrenstöpsel sind ein Segen!) startet der touristische Teil. Die Must-See’s sind Blaue Moschee, Hagia Sophia, Topkapi-Palast und die Istiklalstraße (Fussgängerzone).

Das besonderes Highlight des Tages: eine Schiffsfahrt auf dem Bosporus. Hier haben wir für zwei Stunden eine eigene Yacht gechartert. Die Yacht fasst mindestens 75 Personen und ist mit rund 500 Euro Miete für zwei Stunden ein erschwingliches Vergnügen. Die Sonne scheint vom Himmel und so cruisen wir vom Ankerplatz Kabatas, entlang des Dolmabahce Palasts und der besseren Viertel Istanbuls bis zur großen Bosporusbrücke und zurück. Sogar Delfine sichten wir vom Boot aus! Hier ist unser tolles Gruppenfoto entstanden.istanbul_001

Saturday Night im Club 360

Abends bummeln wir entlang der erwähnten Istiklalstrasse und ich kann gar nicht fassen, wieviele Menschen hier an einem Samstagabend unterwegs sind. Es gibt zahllose Geschäfte, Restaurants, Wühltische, Straßenhändler, Eisverkäufer, Kneipen und Bars. Die Menschenmassen, die Vielfalt und das bunte Straßenbild, wenn auch nicht die Architektur, würde ich am ehesten mit internationalen Metropolen wie Hongkong oder New York vergleichen.

Da Istanbul auch als Party-Metropole bekannt ist, begeben wir uns nach dem Abendessen in den Club 360. Dieser Club auf der Istiklalstraße befindet sich im obersten Stock eines Gebäudes aus dem 19. Jahrhundert und bietet einen atemberaubenden Panoramablick über den Bosporus, das Goldene Horn mit dem Topkapi-Palast und das Marmarameer. Der Club hat einen großen Hauptraum mit einer Panoramaterrasse unter freiem Himmel.

Nach dem Abendessen werden die Tische weggeräumt und die Clubnacht kann beginnen. Der Alkohol ist für unsere Verhältnisse zwar teuer, aber dafür gibt es andere Attraktionen. Zum Beispiel Männer-Urinale mit Eiswürfeln befüllt.

Während die Tische im Hauptraum noch stehen, läuft ein großer, schwarzer Sänger mit buntgrellem Outfit durch den Raum und singt mit angenehmer Stimme Soulnummern.
Als die Nacht voranschreitet gibt es zur Elektro-Clubmusik, gemixt mit aktuellen Pophits,  immer wieder heiße Showeinlagen von zwei Tänzerinnen (mit Trockeneiskanone!) und der schwarzen „Souldiva“. Ein in bestem Sinne ausgelassener Abend!

Im Cemberlitas Hamam

Das Hamam (türkisches Dampfbad) ist streng nach Geschlechtern getrennt, also müssen wir vier Männer uns erstmal von den Frauen verabschieden.

Nach der Umkleide geht es mit einem gelben (für den bubble wash = Waschung mit Schaumseife) und einem roten (für die Ölmassage) Token, einem Waschlappen in der Hand und einem Baumwolltuch um die Hüften in den großen, beheizten Raum des Dampfbads. Ein Badeaufseher nimmt mir am Eingang meinen gelben Token für das bubble wash ab. Ein von der letzten Nacht verwirrter, junger Kollege hat seinen Waschlappen vergessen, also gebe ich ihm meinen.
Der erste Bademeister mit Baumwolltuch kommt und verlangt nach meinem Waschlappen, ich habe keinen. Und auch keinen gelben Token. Er versteht kein englisch und geht stattdessen lieber weg. Ich warte und schwitze. Der zweite Bademeister kommt und will wieder meinen Waschlappen samt gelbem Token sehen. Das Spiel wiederholt sich, er geht weg und ich dampfe weiter in der Hitze. Jetzt kommt der zweite Bademeister zurück und fragt den ersten, wo denn mein Waschlappen sei. Sie diskutieren daraufhin heftig, aber ich kann es ihnen leider nicht auf türkisch erklären. Sie gehen beide einfach wieder weg und ich schwitze weiter ohne Waschung. Der nächste Bademeister steht jetzt vor mir (woher die immer alle kommen weiß ich nicht) und schickt mich mit dem roten Token zur Ölmassage raus. Der Masseur kann aber leider nicht massieren ohne vorherige Waschung und schickt mich gleich wieder zurück ins Dampfbad, mittlerweile diskutieren alle Bademeister auf Türkisch, finden aber trotz allem keine Lösung!

Ich schreite nun selbst zur Tat und verlange von einem der unbeteiligten Badeaufseher einen neuen Waschlappen von draußen. Er holt ihn mir. Jetzt kann ich den Waschlappen einem der Bademeister geben und alles geht nach Plan, auch ohne gelben Token. Der neue, für mich jetzt zuständige Bademeister wirkt allerdings sehr zerknirscht, schrubbt und wäscht mich mit zusammengepressten Lippen unsanft ab. Von Wellness keine Spur, die Seifenbubbles reibt er mir voll ins Gesicht, ich kriege gar keine Luft mehr und habe nur Schaum in der Nase und den Augen.

Am Ende nennt er mir noch seinen Namen und seine Bademeisternummer (auf Englisch!), damit ich ihm später noch sein Trinkgeld geben kann (aber ja nicht dem Mann an der Umkleide!) und herrscht mich mit blitzenden Augen an: OK?! Ich ziehe nicht so recht, er merkt das und wiederholt sein OK?! Gleich noch mal lauter.

Ich will jetzt endlich raus aus dem Dampfbad zur kühlen Massage. Der Masseur ist ein echtes Ass seiner Zunft und ich darf immerhin abschließend eine sehr fachmännische Massage genießen, die mich dann doch wieder etwas versöhnt.

Fazit

Zusammenfassend kann ich sagen, dass mir Istanbul sehr gut gefällt, auch und gerade weil es ein Stück Orient in Europa ist. Hier verschmelzen die Grenzen, vieles ist möglich und verhandelbar. Die Kulturgüter und die Lage zwischen Schwarzem Meer und Mittelmeer machen die Stadt einzigartig. Dabei muss keiner auf das Shoppen und Schlemmen verzichten und auch wenn es ein Klischee ist: Diese Stadt hat alles – außer Wolkenkratzer.

Bilder & Emotionen

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