schweden-2014

14 Tage Schweden oder die Suche nach einem Elch

Familienurlaub im Land der über 200.000 Seen und der Elche

Anreise am 23. August 2014

Der Wecker klingelte um 4.45 Uhr. Normalerweise fällt den Kindern das Aufstehen und Waschen schwer wenn Schulzeit ist, nicht aber wenn wir alle vier in den Urlaub fahren. Unsere S-Bahn fuhr um 6.13 Uhr im westlichen Bereich von München los und kam sogar pünktlich am Flughafen München an. Es ist Samstag, mitten in den bayrischen Ferien und es ist eine Menge los am Airport um diese frühe Uhrzeit. Wir haben unser Gepäck am Terminal 2 für den Lufthansaflug nach Stockholm (Arlanda) selbst aufgegeben und konnten uns so eine Menge Zeit an den Check-In-Schaltern sparen. Natürlich hatte ich tags zuvor online eingecheckt. Der Abflug war pünktlich und die Kinder waren vor ihrem ersten Flug unglaublich nervös.

Nach einem in der letzten halben Stunde etwas holperigem Landeanflug in Stockholm haben wir alles gut überstanden. Das Einreisen verlief ohne Probleme – einfach aus dem Flieger raus und schon stand man zwischen den Leuten, die auf den nächsten Flieger sonstwohin warteten. Unsere drei Koffer wurden gleich nacheinander bei der Gepäckausgabe ausgegeben und und so konnten wir an der direkt gegenüberliegenden Wechselstube Geld in schwedische Kronen umtauschen. Das war ein Fehler. Für einen Euro bekam ich 8,85 Kronen. Ein Stockwerk höher lag der Kurs bei der gleichen Bank  bei 9,7 Kronen – schade eigentlich.

Danach fuhren wir mit dem Bus Nummer 5 zum Hyrbilscenter (Box 176) und nahmen unseren KIA Sportswagon Ceed entgegen. Es war ein neues Modell mit Erstzulassung 06/2014 und nur 11.500 km auf dem Tacho (für die Männer: 1.6 CRDi Diesel, Schaltgetriebe, 128 PS). Kurzer Rundgang um das Auto, keine Lackschäden, Beulen oder andere Auffälligkeiten entdeckt, trotzdem Fotos gemacht, mit dem Fahrzeugfunktionen vertraut gemacht, das iPhone via Bluetooth mit dem Bordcomputer verbunden und die Zieladresse im Navigon aktiviert – los geht’s in Richtung Osten auf eine Strecke von ca. 220km in nach Stora Mellösa am Hjalmarensee.

Es war jetzt gegen 13 Uhr, die Kinder hatten Hunger und wir auch. Wir fuhren noch keine 15 Minuten, als uns ein wohlbekanntes gelb-leuchtendes „M“ entgegen strahlte. Es waren sich alle einig, dass hier unser erster Zwischenstopp stattfinden sollte. Danach ging es weiter auf der E18 in Richtung Enköping. Die voraussichtliche Reisedauer laut Navi mussten wir sehr schnell nach oben korrigieren. Das Autofahren in Schweden ist für uns Deutsche eher als gemütlich anzusehen. Auf der Autobahn fährt man maximal 120, oftmals 100 oder gar 90 km/h. Das wirkt sich natürlich auf die geplante Reisezeit aus. Als wir unterwegs waren, gab es nicht viel Verkehr, die Straßen sind links und rechts eingezäunt, damit man keine bösen Überraschungen mit Elchen eintreten.

Das Wetter während der Fahrt war mäßig und es gab sogar 3 mal einen kurzen aber kräftigen Platzregen, der von unseren Scheibenwischern alles abverlangte. Wichtig ist, dass man sich in Schweden unbedingt an die Begrenzungen der Geschwindigkeit hält. Immer dort wo ein Hinweisschild auf Radarmessung zu sehen ist, kommt auch garantiert ein Blitzer. Die sehen übrigens anders aus als bei uns. Das sind schmale blaue Stangen mit einem gelben Blitzlicht in der Mitte, sozusagen in den Nationalfarben gehalten. Das findet man übrigens unter anderem auch auf den Warnschildern bei stärkeren Kurven.

Auf der Autobahnfahrt haben wir nicht viel vom Land gesehen. Deshalb sind wir von der eigentlichen Route auf die E20 in Richtung Süden abgebogen um über Landstraßen zum Ziel zu gelangen. Das ist auch wirklich die schönere Strecke – ohne Zäune, allerdings mit fast durchgehender Geschwindigkeitsbeschränkung von 70 km/h, was sich dann doch etwas auf das Gemüt der Kinder auswirkte.

Bei uns zu Hause gibt es meist Nadelwälder, hier bilden diese eher die Minderheit. Unter den Laubwäldern gibt es Unmengen an Birken, was mich als Birkenpollenallergiker natürlich etwas ins Grübeln bringt. Vor 2 Wochen gab es in Sala (ca. 100 km Luftlinie von unserem Haus entfernt) einen der größten Waldbrände in der Geschichte Schwedens. Es gab einen unglaublich trockenen Juli, der fast zu einer „Beinahe-Katastrophe“ führte.

Nach 4 1/2 Stunden Fahrt (mit Einkaufspause in einer riesigen Einkaufsmall) sind wir endlich am Ziel angekommen. Mit der Navigon-Zielführung war ich wirklich zufrieden, was in anderen Fällen nicht immer so war. Uns erwartete ein tolles Landhaus direkt am See mit eigenem Pool und separatem Saunahäuschen, einem riesigen Grundstück mit Anlegersteg, Blick auf eine kleine vorgelagerte Insel des Hjälmarensees und unglaublich vielen Wildgänsen und Graureiern. Wir richteten uns inzwischen im Haus ein, während wir auf unsere Freunde warteten, die von zu Hause aus mit ihrem Camper über Rostock nach Dänemark und von dort aus mit der Fähre nach Schweden insgesamt 1.600 km gefahren sind.

Die erste Woche in Schweden

sxhweden_001Mein Sohn hat noch am selben Abend die Angel ausgepackt, die er sich zu Hause von seinem Freund Toni ausgeliehen hatte. Es waren die ersten Versuche für ihn (ich durfte es auch mal ausprobieren) mit der Angel umzugehen. Es dauerte nicht lange und die Angel landete deutlich weiter im Wasser als bei den ersten Versuchen. Außer Algen und einer Muschel haben wir leider nichts gefangen, was aber (noch) nicht so schlimm ist.

Am nächsten Tag sind wir dann mit dem Ruderboot rausgefahren. Leider mussten wir paddeln, da die Ruderhalterungen kaputt waren. Das Wasser des Hjälmarensees ist sehr trüb, wirkt eher schmutzig, ist aber mit unglaublich vielen Wildgänsen, Möven, Schwäne und verschiedene Arten von Reiern besiedelt. Wir hatten das Fernglas dabei und konnten so nah wie nie zuvor die Starts und Landungen ins bzw. aus dem Wasser beobachten. Besonders beeindruckend ist es, wenn ein Schwarm Wildgänse nur wenige Meter über das Ruderboot fliegen, so dass man das Schwingen der Flügel hören und einen Luftzug verspüren kann. Der Fang blieb auch heute aus.

Als Selbsversorger mussten wir auch zum Einkaufen fahren. Wir hatten zwar bei der Herfahrt vom Flughafen zum Haus einen kurzen Einkaufsstopp gemacht, aber bei 7 zu versorgenden Personen im Haus hält das natürlich nicht sehr lange an. Einkaufen in Schweden ist für uns so, als wären wir gerade in der Metro. Groß, größer und nochmals größer. Die Verpackungen der uns bekannten Lebensmittel sind einfach riesig. Milch & Joghurt mit 1,5 oder 2 Litern, Butter in 500g Päckchen (meist gesalzen!), Toastbroat zum einen in american style und dazu noch doppelte Menge, Käse nicht in kleinen Happen wie bei uns sondern auch hier oftmals mit einem Kilo uns mehr. Wahrscheinlich liegt es daran, dass viele mehr als 40 Kilometer zur nächsten Einkaufsmall haben und nicht so oft fahren wollen.

Ausflug nach Örebro

sxhweden_002Den ersten Ausflug haben wir nach Örebro gemacht. Örebro ist eine Stadt mit nahezu 150.000 Einwohner (steigende Tendenz). Das Wahrzeichen der Stadt ist das Schloss (Örebro slott), welches auf einer kleinen Insel inmitten der Stadt liegt. Es gibt einen kleinen schmucken Altstadtteil, in dem wir uns etwas zu Essen gesucht haben. Gefunden haben wir ein kleines Restaurant, in dem wir noch das Mittagsangebot (= Tagesgericht „dagens rätt“) wahrnehmen konnten. Das tolle ist, dass man fort für umgerechnet 9 EUR eine ordentliche Portion inklusive Getränk (0,5 Cola, Fanta, Juice) bekam. Wasser gibt es umsonst und selbst ein Kaffee mit einem kleinen Kuchenhäppchen war dabei. Das ist ein wirklich preiswertes Angebt.

Wenn man so in die Einkaufsläden schaut, stellt man relativ schnell fest, dass die „Dinge des Lebens“ hier in Schweden deutlich mehr kosten als in Deutschland. Selbst Dinge wie Anglerzubehör (wir mussten leider mit dem Spinner in ein Fachgeschäft, da wir der meinung waren, dieses Element sei kaputt) kostet das 2,5fache gegenüber einem Preisvergleich mit Amazon Deutschland.

Es ist unglaublich, wie sauber und gepflegt die Städte und vor allem die Häuser sind. Gefühlt wird hier jede Woche der Rasen bis zum Wasser oder bis zur Straße gemäht (meist mit einem Aufsitzmäher, da die Grundstücke mit einem Handrasenmäher einfach nicht zu mähen sind).

Ausflug nach Julita Gård

sxhweden_003Den zweiten Ausflug haben wir in das 25km entfernte Landwirtschaftsmuseum Julita Gård gemacht. Es ist ein Freilichtmuseum, welches die Landwirtschaft und das Leben auf dem Land der vergangenen Jahrhunderte darstellt. Das Gelände ist wunderschön angelegt. Es gibt ein Herrenhaus mit einem riesigen Park und einer noch größeren Gartenanlage, die von einer Gärtnerei bestellt wird. Hier kann man Pflazen kaufen und im September Apfelbäume. Leider sind wir 14 Tage zu spät in Schweden angekommen, sonst hätten wir noch „Petterson und Findus“ live erleben können, da es hier einen 2:3 Nachbau gibt und das Leben der beiden nachgespielt wird – mit allem was dazu gehört, Traktor, Werkstadt, Hühner und hier und da findet man einen kleinen „Muggla“. Der Eintritt kostet für Erwachsene 100 Kr und für Kinder 20 Kr, was für schwedische Verhältnisse als günstig zu sehen ist.

 

Ausflug nach Kolmården

sxhweden_004Kolmarden ist ein Ort in der Gemeinde Norrköping und zugleich der größte Zoo Nordeuropas. Gleich vorne weg: Der Eintrittspreis ist ziemlich hoch und kostet für einen Erwachsenen 400 Kr und für Kinder von 3 bis 12 Jahren 300 Kr. Die Fahrt dauerte von uns aus knapp 2 Stunden bei einer Distanz von ca. 140 Kilometer (einfach). MIt Buggy ist der Besuch ein wenig mühselig, da es teilweise ganz schön rauf und runter geht. Die Tiere leben hier jeweils in einem unglaublich großen Gehege. Vom Münchner Zoo sind wir es gewohnt, dass man 2 oder 3 Braunbären sieht. Hier haben wir in 2 Gehegen bestimmt 10 Bären, inkl. Nachwuchs, gesehen. Genauso verhält es sich mit den Armurtigern (6 an der Zahl), Löwen (2 Löwen mit geschätzt 8 Löwinnen). Die größte Attraktion neben dem integrierten Dolphinarium und einer kleinen Freizeitanlage mit großer Schiffsschaukel und Achterbahn ist die Safari, auf die sich jeder Besucher begeben kann. Diese führt „über“ ein riesiges Gehege mit einer modifizierten Doppelmayr Gondelanlage, die man so nur aus den Skigebieten kennt. Endlich da ist er: Der Elch. Nicht nur einer, sondern gleich mehrere. Ich nehme an, dass das noch jüngere Exemplare sind, da die Elche anscheinen ein Höge von 2.20 Meter bis zur Schulter erreichen können. Eine Fahrt dauerte ungefähr 25 Minuten, die wir gleich 2mal hintereinander machten. Das war deswegen problemlos möglich, da wir ja schon in der Nachsaison unterwegs waren und nicht anstehen mussten. Aufgrund der Aufteilung des Wartebereichs vermute ich, dass es in er Hochsaison zu Wartezeiten mit mehr als eine Stunde kommen kann.

sxhweden_005Das Mittagessen zahlt man voher und danach gilt „all you can eat“. Das war aber sicher auch nur deshalb möglich, da wir nicht zur Hauptsaison da sind. Wir haben anfangs auf der Terasse gegessen, bis uns irgendwann die herumschwirrenden Wespen nach innen vertrieben. Der Ausblick hier ist gigantisch. Es sind nur 100 Meter bis zum Wasser, welches ein Ausläufer der Ostsee ist und mit vielen fjordenähnlichen Ausbuchten bestückt ist. In der Mitte ein riesiger Tanker, drum herum das ein oder andere Segelschiff kleinerer Klasse.

Die zweite Woche in Schweden

Für die zweite Urlaubswoche haben wir uns fesst vorgenommen mit unseren Kindern nach Stockholm zu fahren. Nachdem man von hier aus auf dem kürzesten Weg ca. 3 Stunden benötigt, war bereits bei der Urlaubsplanung klar, dass wir eine Übernachtung in Schweden einplanen werden.

2 Tage Stockholm

Unseren Ausflug nach Stockholm habe ich in einem separatem Reisebericht verfasst. Hier geht es zum Reisebericht Stockholm in 2 Tagen.

sxhweden_006Die Fahrt von Stockholm zurück an den Hjelmarensee sollte uns an der Küste entlang der Scheeren führen. Leider gestaltete das sich als nicht so einfach, da wir mit den Angaben der Orte entlang der Straße 219 nicht so ganz klar kamen. Unserer ersten Stopp machten wir jedenfalls in Trosa. Das ist ein schnuckes Örtchen mit einem Kanal, an dem viele sehr schöne Häuser stehen und der am Ende in ein Vorbecken der Ostsee führte. Es ist der 01. September, wunderschönes Wetter bei 20° Celsius und niemand ist da. Die Bürgersteige sind hochgeklappt. Ein großer Yachthafen ist völlig unbelebt – wir sind ganz alleine. Es ist unglaublich viel Platz hier und zu den Hochzeiten ist bestimmt eine Menge los, was wir aus den geschlossenen Verkaufsständen und Läden schließen.

Danach ging es weiter in Richtung Nyköping, entlang des Wassers, welches wir ein paar mal kreuzten und auch einen kleinen Zwischenstopp machten. Es ist eine wunderschöne Landschaft die von einem Licht eingtaucht wird, wie wir es so in Süddeutschland nur dann kennen, wenn im Frühjahr oder Herbst die Sonne tief steht und uns beim Autfahren erhöhte Aufmerksamkeit abfordert.

Weiter ging es dann nach Kathrineholm und von dort sins es nur noch 50km bis zu unserem „Haus am See“

Relaxen und das schöne Wetter genießen

Die nächsten beiden Tage haben wir etwas gemütlicher angehen lassen, da wir doch einigermaßen erschhöpft von der Stadttour waren. Das Wetter wurde immer besser und wir haben sogar die 25° Celsius Marke geknackt. Es wurde Mitte der Woche sogar so waarm, dass wir den Pool auch untertags nutzen konnten. Das war besonders für die Kinder eine willkommene Abwechslung.

Ein Fisch! Ein Fisch! Ein Fisch!

sxhweden_007Nach vielen Versuchen hat es endlich geklappt. Mein Sohn hat einen schönen 25cm langen Barsch gefangen. Untertags hat das mit dem Fischen natürlich nicht geklappt, deshalb sind wir nach dem Sonnenuntergang noch einmal auf den See rausgefahren und haben die Angel ins Wasser gehängt. Bei einem verunglückten Wurf (der Köder landete uunmittelbar neben dem Boot) hat genau in dem Augeblick des Einholens ein Barsch angebissen. Die Aufregung war so groß, dass unsere Beobachter aus dem Haus liefen, da sie der Meinung waren, dass wir kentern würden. Unseren Fang haben wir natürlich sofort an Land gebracht, „fachmännisch“ ausgenommen und gleich in der Pfanne zubereitet – lecker!

Ausflug nach Wadköping

Wadköping ist eine Art Freilichtmuseum innerhalb von Örebro. Dort wurden Häuser aus vergangen Zeiten aufgestellt, die ursprünglich an anderen Orten standen. Es ist eine Mischung aus Museum und aktuellem Handwerk, da bestimmte Berufe in den Häusern nach wie vor ausgeübt werden und auch viele Menschen in diesen Häusern wohnen. Es ist wie ein kleiner Ort in einem großen.

Krebse fangen

Unser Vermieter feiert am Abend unseres Abreisetages ein traditionelles „Krebsfest“. Dazu hat er Reuse am Mittwochabend ausgelegt, die er wieder am Donnerstag früh eingeholt hat. Mein Sohn und ich durften ihn auf seinem Ruderboot begleiten und haben die Reusen aus dem Wasser gezogen. Er war etwas enttäuscht, dasss er so wenige Krebse gefangen hat. Insgesamt waren es ca. 20 Stück. Wenn es richtig gut läuft, so meinte er, verfangen sich schon mal pro Reuse 20 Exemplare.

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