Zwei Wochen auf Tasmanien

Von Regenwald, Traumstränden, Zwergpinguinen und Geistertouren

Wir zwei Backpacker (Paul und Malte), die ein ganzes Jahr mit Work and Travel in Australien verbracht haben, stellten  uns natürlich schon die Fragen: „Lohnt sich ein Ausflug nach Tasmanien wirklich? Ist das australische Festland nicht vielfältig genug und hat nicht ohnehin schon mehr als genug zu bieten? Kann uns Tasmanien wirklich etwas bieten, was wir bei unser hinter und vor uns liegenden Reise auf dem Festland nicht erleben würden?“ Da uns aber vorher einige Bekannte (sowohl Australier als auch andere Backpacker) vom „grünen Smaragd“ vorgeschwärmt haben, entschlossen wir uns  im November für einen zweiwöchigen Ausflug und machten uns samt unseren roten „Ford Falcon“ namens „Charliene“ mit der Autofähre „Spirit of Tasmania“ von Melbourne auf nach Devonport. Unsere Erlebnisse und Erfahrungen haben wir im folgenden Tagebuch niedergeschrieben.

1. Tag: Regenwald und Schluchten – Fotoshooting mit einem Kurzschnabeligel

fm_tasmanien_01Nach 11 stündiger Überfahrt haben wir die 240 Kilometer hinter uns gelassen und erreichten am frühen Morgen den Hafen von Devonport. Die Fahrt war sehr angenehm, da die See ruhig und das Unterhaltungsprogramm auf der Fähre durchaus abwechslungsreich war. Da hatten wir schon schlimmere Befürchtungen, denn die sogenannte Bass-Straße zwischen Tasmanien und dem australischen Festland ist für ihre sehr raue See berüchtigt. Wir hatten in der zurückliegenden Nacht also Glück und machten uns direkt frohen Mutes auf, da wir in den uns zur Verfügung stehenden zwei Wochen natürlich so viel wie möglich sehen wollten. Erst einmal wurde die direkte Küstenumgebung von Devonport erkundet. Auf der „Mersey Bluff“ steht ein ganz netter Leuchtturm und vom angrenzenden Lookout bekamen wir schon einen ersten Einblick von der typischen klippenreichen Küstenregion „Tassies“.
Für allzu langen Aufenthalt gab es aber keinen Grund und so ging es direkt weiter südwestlich über den Lake Paloona zum Winterbrook Rainforest Walk. Eine wundervolle Wanderung durch den ehrwürdigen Regenwald führte uns zu einem Lookout über die 200 Meter hohen Winterbrook-Falls. Auch wenn dieser nach etwas regenarmen Wochen nicht allzu viel Wasser mit sich führte, war es schon ein beeindruckendes Bild, wie sich der Wasserfall in dieser Wildnis seinen Weg durch das Felsmassiv sucht. Der weitere Rundweg zu unserem Auto „Charliene“ war zwar nicht unbedingt bestens präpariert, aber gerade dies und die Tatsache, dass uns für mehrere Stunden keine anderen Menschen begegnet sind, machte die Wanderung durch den Urwald besonders empfehlenswert und auch ein wenig abenteuerlich.
Unser Abendquartier schlugen wir schließlich bei dem, wenige Kilometer weiter gelegenen, Leven Canyon auf. Vom Aussichtspunkt der angelegenen „Picnic Area“ hatte man einen fantastischen Blick auf die imposante Schlucht, durch die sich der Leven River mit vielen Kaskaden und Stromschnellen windet. Getoppt wurde dieses allerdings noch von einem munteren und sehr putzigen Kurzschnabeligel, der sich bereitwillig für ein kleines Fotoshooting zur Verfügung stellte. Kurzschnabeligel gehören wie die Schnabeltiere der Gruppe der Kloakentiere an, das heißt sie sind eierlegende Säugetiere.

2. Tag: Wellenwolken, verdunkelte Bäche und die Besteigung der Nuss

fm_tasmanien_02Direkt nach dem Aufstehen sind wir Zeuge eines kleinen Naturphänomens geworden. Komplett blauer Himmel lag über uns….bis auf eine seltsam langgezogene „Wellenwolke“. Nach einer kurzen Recherche erfuhren wir, dass es sich dabei um einen sogenannten „Kelvin-Helmholtz-Wirbel“ handelt. Dieser entsteht durch die Verwirbelung zweier übereinander liegender Luftschichten, die sich mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten und/oder in unterschiedliche Richtungen bewegen. Schon interessant, was es alles so gibt.
Ansonsten stand für uns heute der Nordwesten auf dem Programm, vor allem die felsigen Küstenregionen. Zuerst ging es zum Table Cape, wo es wieder einen kleinen Leuchtturm zu bestaunen gab. Weiter am Sisters Beach verblüffte uns ein dunkel gefärbter Flusslauf, der hier in den Ozean mündet. Wie uns eine Infotafel verriet, entsteht die dunkle Farbe durch pflanzliche Gerbstoffe, sogenannte Tannine, die umliegenden Sträucher an den Bach abgeben und so das Wasser fast schwarz färben. Auch das war ein erstaunliches Erscheinungsbild durch die Launen der Natur. Der Sisters Beach ist zudem vom Rocky Cape National Park umgeben, in dem wir uns noch auf eine etwas längere Wanderung begaben. Der Nationalpark zeichnet sich vor allem durch markante Steinformationen an der Küste und eine unglaubliche Anzahl von verschiedensten Wildblumen aus.
Am frühen Nachmittag ging es dann weiter zu „The Nut“. Die „Nuss“ ist ein steiler, langgezogener Felsen vulkanischen Ursprungs auf einer Halbinsel, die in die Bass-Straße ragt. Erklimmen kann man den 150 Meter hohen Felsen entweder mit dem Sessellift oder einem sehr steilen Fußweg. Wir haben uns natürlich für die sportliche Varianten entschieden und wurden dafür sofort mit fantastischen Blicken über die Küstenregion entschädigt. Ein Rundweg führte uns über den flachen Hügel und wir waren erstaunt, dass sich so viel Wallabys hier oben tummelten, wo doch der Weg hier hoch schon sehr beschwerlich ist und diese wohl auch eher nicht den Lift genommen haben.
Zurück bei Charliene fuhren wir am frühen Abend noch zu den Dip Falls, ein weiterer sehr idyllischer Wasserfall umgeben von Urwaldriesen, für den wir aber auch einige Kilometer Schotterpiste auf uns nehmen mussten. Unser Übernachtungslager schlugen wir in der Nähe der Oldina Picnic Area auf, wo wir auch noch ein gemütliches Lagerfeuer machen konnten.

3. Tag: Waterfall-Day Teil 1

fm_tasmanien_06Ja man kann schon sagen, dass wir große Wasserfall-Fans sind. Auch wenn wir auf dem Festland schon Unzählige besucht haben, ist jeder für sich doch immer noch einzigartig und etwas ganz spezielles. So standen für uns heute wieder drei beeindruckende, auch wenn unterschiedlich leicht zugängliche Kaskaden, an der Tagesordnung. Zuerst ging es zu den Waratah Falls, die man schon direkt von der Straße aus begutachten konnte. Dieser war zwar ganz nett anzuschauen, aber riss uns jetzt nicht direkt von den Autositzen.
Der zweite war da schon etwas spektakulärer. Die Montezuma Falls haben ihren außergewöhnlichen Namen von der früheren, nahegelegenen Silbermine der Montezuma Cooperation und ist eine der bekanntesten Wasserfälle der Insel. Trotzdem trafen wir auch hier entlang der Wege der stillgelegten Kleinbahngleise nur auf eine Handvoll Gleichgesinnte, die die gut zweistündige Wanderung auf sich nahmen. Es mag daran liegen, dass auch die Montezuma Falls zur Zeit nicht sonderlich viel Wasser mit sich führten. Trotzdem war es auch hier allemal den Aufwand wert. Denn direkt vor den Fällen kann man sich auf einer wackligen Hängebrücke ein tolles Bild über das weit über 100 Meter in die Tiefe stürzende Wasser machen.
Der letzte Wasserfall-Programmpunkt des Tages waren schließlich die Nelson Falls im Franklin-Gordon Wild Rivers National Park. Er gehört wohl zu den romantischen Fällen des Bundesstaates und viele Besucher sind von ihm begeistert. Mag aber vielleicht einfach daran liegen, dass er so leicht zugänglich ist und dadurch so viele Besucher hat. Vom Highway aus kann man ihn in wenigen Gehminuten auf gut befestigtem Wege erreichen. Am frühen Abend waren wir aber auch hier die einzigen Besucher und konnten uns an der Idylle der 30 Meter hohen Fälle begeistern.

4. Tag: Die Rettung des Australienjahres

fm_tasmanien_04Jeder Reisende hat sicherlich bestimmte Ziele und Erwartungen, was er oder sie sehen oder erleben will, bevor es wieder nach Hause geht. Unser ganz eindeutiges Ziel war es, dass wir unbedingt einen Wombat, unser absolutes australisches Lieblingstier, in freier Natur sehen müssen. Heute war es dann so weit. Am frühen Morgen huschte einer vor unserer Charliene her. Doch genauso schnell wie er aufgetaucht ist, war er auch wieder verschwunden. Leider keine Chance für ein Foto. Der Franklin-Gordon Rivers National Park blieb uns trotzdem in bester Erinnerung und wir konnten nach zwei kleineren Wandertouren den Nationalpark guter Dinge verlassen.
Später ging es dann noch auf eine etwa 15 Kilometer weite Wanderung durch den Cradle Moutain – Lake St. Clair National Park und wir gingen damit einen ganz kleinen Teil des berühmten Overland-Tracks entlang. Dieser führt viele abenteuerlustige und ausdauernde Wanderfreunde über einen siebentägigen Fußmarsch von 65 Kilometer Länge eben vom Cradle Mountain zum Lake St. Clair durch das Herz des Weltkulturerbes der tasmanischen Wildnis. Unsere gegangen Kilometer entlang der malerischen Küste des Lake St. Clair waren durchaus sehr eindrucksvoll. Allerdings gab es auch hier eine tierische Begegnung auf die wir diesmal hätten verzichten können. Eine Schlange hat sich gut getarnt auf dem Wanderweg zum Sonnen gelegt und wir wären fast drauf getrampelt. Als unerfahrener Backpacker kann man ja nie so wirklich beurteilen, ob diese jetzt giftig sein könnte oder nicht. So denkt man auch darüber nach, was denn wäre, wenn man mitten auf dem Overland-Track von einem giftigeren Exemplar gebissen würde….zum Glück nur Gedankenspiele.

5. Tag: Traumhafte Blicke auf Hobart bei Nacht

fm_tasmanien_07Bevor es heute im Laufe des Vormittags in die tasmanische Hauptstadt nach Hobart gehen sollte, musste noch zwei letzte urromantischer Wasserfälle im Westen der Insel bestaunt werden. Die zweistufigen Russel Falls und die höher liegenden Horseshoe Falls befinden sich im Mount Field National Park (dem ältesten Nationalpark Australiens) und sind über einen kurzen, leicht zugänglichen Weg erreichbar. Doch trotz der wenigen Hundert Meter Entfernung, gab es auch auf diesem Stück wieder einige Tiere der tasmanischen Wildnis zu sehen. Wallabys mit Jungen im Beutel, weitere Kurzschnabeligel und auch wieder eine gut getarnte Schlange, diesmal zum Glück nicht direkt auf dem Weg.
Gegen Mittag fuhren wir dann in die mit über 200.000 Einwohnern größte Stadt der Insel. Hobart ist nach Sydney die zweitälteste Bundeshauptstadt des Kontinents und besonders für seine ausgeprägte Kunst- und Kulturszene bekannt. Man spürte direkt die relaxte Atmosphäre in dieser umweltfreundlichen Stadt. Wir besuchten den hübschen Royal Botanical Garden, schlenderten durch die Innenstadt und ließen im Hafenviertel die Blicke auf den beeindruckenden Derwent River schweifen. Am frühen Abend versuchten wir uns beim Pokern auf ein Turnier der „Australian Poker League“. Dabei werden über das ganze Land verteilt Pokerturniere in Kneipen ausgetragen, an denen man meist kostenlos teilnehmen kann. Da wir beide sehr gerne pokern, war das für uns immer eine willkommene Abwechslung der Abendgestaltung und die perfekte Gelegenheit mit typischen „Aussies“ in Kontakt zu treten. Am diesem Abend waren wir leider nicht vom Glück verfolgt und wurden früh „vom Tisch genommen“.
Zur späteren Abendstunde ging es mit „Charliene“ dann noch auf den Gipfel des 1.270 Meter hohen Mount Wellington, an dessen Fuß Hobart liegt. Von dort aus hatte man wirklich faszinierende Blicke auf die Lichter der Stadt. Da wir diesen Blick auch nochmal am Tag genießen wollten, entschlossen wir uns die Nacht, trotz der eiskalten Luft bei Temperaturen nur knapp über dem Gefrierpunkt, auf dem Berg zu verbringen.

6. Tag: Das australische Har(t)z-Gebirge

fm_tasmanien_08Man wacht auf und alles was man sieht ist weiß. Der Berg stand in einer dichten Wolkendecke. Das hatten wir uns natürlich ganz anders vorgestellt. Da es auch nicht danach aussah, dass es in kürzerer Zeit besser werden könnte, machten wir uns wieder auf den Weg nach unten. Doch schon nach wenigen Serpentinen entschwanden wir den Wolken und hatten nun auch am Tage eine perfekte Sicht auf Hobart.
Ansonsten wollten wir an diesem Tage ein paar Heimatgefühle wecken. Es ging nämlich in den Hartz Mountain National Park im Südwesten, der tatsächlich nach dem deutschen Harz-Gebirge benannt wurde. Hier marschierten wir in einer mehrstündigen Wanderung durch oftmals etwas kargere Landschaft auf den Hartz-Peak, dem höchsten Punkt des Nationalparks. Beim zweiten Berg über 1.200 Metern an diesem Tag war der Wettergott zum Glück gnädig mit uns und wir konnten bei strahlendem Sonnenschein die Aussicht genießen. Zugleich markierte unser Standort auf den Gipfel den südlichsten Punkt unserer Australienreise und möglicherweise auch den südlichsten unseres gesamten Lebens. Weitere Landmasse in Form von kleineren Inseln sucht man auf der Weltkarte zwischen Tasmanien und der Antarktis nämlich vergebens.
Gegen Abend fuhren wir dann wieder zurück nach Hobart und schlugen unser Lager auf der Ostseite des Derwent River auf. Hier wurde uns noch ein wenig Industrieromantik geboten. Denn genau auf der anderen Seite des Ufers befindet sich eine große Fabrik für Zinkverarbeitung, die in den Abendstunden in Verbindung mit dem Fluss ein überraschend schönes Bild hergab.

7.Tag: Archen, Blaslöcher und Teufels Küche

fm_tasmanien_09Am Vormittag nahmen wir noch ein wenig Hobart unter die Lupe und schauten uns einige ältere Gebäude und den Hafen nochmals genauer an. Aber insgesamt zieht es uns nun mal schon etwas mehr in die Natur als in die Stadt und so wollten wir im Laufe des Vormittags noch den Südosten mit der Tasman-Halbinsel erkunden. Um zu dieser zu gelangen, mussten wir über die teilweise weniger als 30 Meter breite Landverbindung des Eaglehawk Neck überqueren, die die Norfolk Bay auf der westlichen und die Pirates Bay (ein sehr beliebter Surfspot) auf der östlichen Seite verbindet.
Auf der Halbinsel gab es dann direkt bemerkenswerte, geologische Felsformationen zu bestaunen, die so verrückte Namen wie die Tasman’s Arch oder Devils’s Kitchen tragen. Auch Blowholes gibt es hier zu bewundern. Das sind Einschneidungen in den Klippen, durch die das Meereswasser in regelmäßigen Abständen viele Meter hoch in die Luft schießt.
Am Abend erreichten wir schließlich die Fortescue Bay, wo wir uns noch auf eine kleine Wanderung entlang der Bucht begaben. Dessen Camping Ground auch unser Nachtlager war.

8. Tag: Geisterstunde in Port Arthur

fm_tasmanien_10Ein gruseliger Tag stand uns bevor und das schaurige Wetter nach dem Aufstehen passte schon einmal sehr gut dazu. Am Vormittag machten wir uns trotz schlechter Weg- und Wetterverhältnisse auf zu einer 10 Kilometer langen Wanderung entlang der Steilklippen zum Cape Hauy. Auch hier konnten man immer wieder spektakuläre Blicke auf die verschiedensten Felsformationen werfen, wenngleich man sich wegen dem durchgehenden Nieselregen nirgends zu lange aufhalten wollte.
So waren wir auch ganz froh als wir wieder an unserem Ausgangspunkt waren. Denn am Abend sollte noch ein illustres Highlight unseres Tasmanien-Aufenthaltes anstehen. Wir fuhren nach Port Arthur…eine Stadt, deren beste Tage schon lange vergangen sind und nur noch Ruinen an die Zeit erinnern, wo hier die schwersten aller Schwerverbrecher in dem großen Gefängnis lebten. Da ihre Geister nach einem oftmals qualvollen Tod hier allerdings noch weiter ihr Unwesen treiben sollen, entschlossen wir uns einer Geistertour am Abend anzuschließen. Viele Menschen würden von unheimlichen Erscheinungen berichten und auch oftmals Stimmen aus dem Jenseits hören. Uns wurde vorher erzählt, dass auf fast jeder Tour etwas Unnatürliches passieren würde. Leider hat bis auf ein kleines Mädchen in unserer Gruppe niemand ein Gespenst gesichtet. Trotzdem war es durchaus ein lohnenswerter Ausflug diesen geschichtsträchtigen Ort mit vielen spannenden und teilweise auch wirklich grausamen Geschichten gezeigt zu bekommen. Zudem sollen die hier beheimateten Geister ungläubige Besucher im Laufe des Lebens noch mindestens einmal heimsuchen…wir sind also gespannt. Ein Zertifikat haben wir auch noch bekommen, dass wir uns wirklich getraut haben an der Tour teilzunehmen.

9. Tag: Ein Weinglas als Bucht

fm_tasmanien_11Trotz der schaurigen Geschichten des Vorabends konnten wir gut schlafen und uns so langsam wieder Richtung Norden aufmachen. Heute war nämlich im Großen und Ganzen Strandtag angesagt. Wir verbrachten den Vormittag bei wieder wunderbarem, wenn auch etwas windigem Wetter am Friendly Beach – ein traumhafter, weißer Sandstrand im Freycinet National Park.
Zu lange wollten wir aber nicht auf der faulen Haut liegen und so ging es gegen Mittag ein paar Kilometer weiter zu dem Ort, dessen Fotos wohl jedem bekannt sind, der sich schon mal über Tasmanien im Internet oder Bücher erkundigt hat – die Wineglass-Bay. Eine gut zweistündige Wanderung führt vom Besucherparkplatz erst hoch zu einem Lookout und von da aus dann bergab zu der langgezogenen Bucht, die mit viel Fantasie der Form eines Weinglases ähnelt. Es ist auf jeden Fall ein fantastischer Strand, der bei warmen Temperaturen auch herrlich zum Baden einlädt. Man merkte allerdings auch sehr schnell, dass die Marketing-Strategie für den Tourismus auf „Tassie“ sich sehr stark auf diese Bucht konzentriert. Denn die Wanderwege und vor allem der Aussichtspunkt waren sehr überlaufen…das kannten wir von Tasmanien bisher noch gar nicht. Zum Glück ist der Ab- und Aufstieg zum Strand den meisten Besuchern aber dann doch zu mühsam gewesen.
Gegen Abend entfernten wir uns wieder vom Trubel und machten uns auf zum Douglas Apsley National Park. Wir gingen, klettern uns sprangen durch die felsige Apsley-Schlucht mit ihren vielen idyllischen Wasserlöchern und mussten uns schon wundern, dass man an diesem fantastischen Ort keine Menschenseele begegnete und sich ein paar Kilometer weiter die Touristen an der Küste auf die Füße treten.

10. Tag: Waterfall-Day Teil 2

fm_tasmanien_12Heute standen die bekanntesten Wasserfälle im östlichen Teil der Insel an. Die St. Columba-, Ralphs-, und Lilydale-Falls waren zwar allesamt ganz nett anzuschauen, waren aber nicht so beeindruckend wie die Wasserfälle im Westen Tasmaniens. Das lag wahrscheinlich daran, dass auch diese leider kaum Wasser mit sich führten. Gegen Abend erreichten wir dann mit Launceston, die mit knapp über 100.000 Einwohnern zweitgrößte Stadt „Tassies“.

11. Tag: Post für den Weihnachtsmann

fm_tasmanien_13Den Vormittag bummelten wir in der Innenstadt von Launceston, wo zu unserer Überraschung ein Briefkasten extra nur für die Post für den Weihnachtsmann aufgestellt wurde. Das ist schon eine sehr coole Idee und wir hoffen natürlich, dass dann auch wirklich alle Briefe der Kinder beantwortet werden.
Was Launceston aber so besonders macht, ist das man nach wenigen Gehminuten vom Zentrum aus mit der Cataract Gorge eine grüne Oase mitten in der Stadt besitzt und man sich dort teilweise direkt wieder so fühlt, als würde man sich mitten in der tasmanischen Wildnis befinden. Den Nachmittag wanderten wir also der bizarren Felsschlucht entlang und uns wurde schnell klar, warum die Stadt zu Recht den Beinamen „Garden City of the North“ trägt.
Gegen Abend fuhren wir schon wieder etwas aus der Stadt heraus zu den Wetlands von Launceston auf die Tamar Island, ein wahres Vogelparadies, wo wir zum Abendbrot auch gleich von ein Pärchen schwarzen Schwänen begrüßt wurden.

12. Tag: Panne im Outback Tasmaniens und Pinguin-Parade

fm_tasmanien_14Unser Tasmanien-Besuch neigte uns so langsam dem Ende entgegen. Doch die letzten Tage sollten durchaus nochmal ereignisreich werden. An diesem Morgen wollten wir noch einmal ein wenig den tasmanischen Regenwald erkunden. Die Notley Gorge zwischen Launceston und Devonport war dafür das perfekte Plätzchen. Hier trafen wir auch auf ein nettes, älteres australische Ehepaar, welches uns am Ende direkt mal angeboten hat bei ihnen übernachten zu dürfen, als wir ihnen erzählten, dass wir fast jede Nacht auf Isomatten in unserem Kombi verbringen. Das Angebot hätten wir natürlich gerne angenommen. Leider kamen sie aus einer Gegend, die wir schon hinter uns gelassen haben…sehr schade.
Weiter sollte es dann noch zu einer zweiten Schlucht, der Holwell Gorge, gehen. Allerdings sollten wir dort nicht mehr ankommen. Denn irgendwie haben wir die Piste mit dem losen und nassen Schotter ein wenig unterschätzt. So kamen wir in einer Kurve etwas ins Schleudern und rutschten so gemütlich einen kleinen Hang am Straßenrand entgegen. Mit einer Seite standen wir sogar für einen kurzen Augenblick in der Luft. Action war also geboten. Passiert ist zum Glück nicht viel. Der Auspuff war etwas verbogen und der linke Hinterreifen war platt. An sich ja keine große Sache. Eben den Wagenheber herausgeholt und den Reifen gewechselt. Blöd nur, dass wenn man den Wagenheber das erste Mal braucht, man erst bemerkt, dass dieser gar nicht funktioniert. Jetzt dachten wir uns „Tasmanien ist ja nicht so riesig, da wird schon relativ zügig jemand vorbei kommen“. Aber falsch gedacht. Nach vergeblichen, stundenlangem Warten mussten wir feststellen, dass wir wohl ausgerechnet im „Outback Tasmaniens“ liegen geblieben sind. So entschlossen wir uns im Schritttempo mit dem platten Reifen weiter zu fahren und erreichten nach wenigen Kilometern glücklicherweise auch schon das erste Haus. Der freundliche Besitzer wollte gar schon seinen Traktor zum Anheben unserer Charliene herausholen. Ein einfacher Wagenheber tat es aber auch. Wir fuhren daraufhin zur Sicherheit direkt nach Devonport und besorgten uns einen neuen Reifen.
Am Abend wurden wir schließlich noch Zeugen eines kleinen Naturspektakels. An einem nahegelegenen Strand watschelten Unzählige von Zwergpinguinen nach Einbruch der Dunkelheit aus dem Meer um die Nacht in den sicheren Dünen zu verbringen. Von einer Plattform konnten wir uns vergnüglich das Treiben der kleinen, etwa 35 cm großen Frackträger begutachten und das ohne jeglichen Touristenandrang, wie es beispielsweise bei der Pinguin-Parade auf Philipp Island nahe Melbourne der Fall ist. Die Tiere sind einfach nur klasse zu beobachten! Was solche kleinen Zwerge für ein Lärm machen können und wie sie immer wieder von den Fluten des Ozeans umgeworfen werden, dann tapfer wieder aufstehen und einen neuen Versuch wagen…das kann man sich schon sehr lange anschauen. Leider gibt es keine zeigenswerte Fotos, da die Vögel sehr empfindlich reagieren und unter keinen Umständen mit Blitzlicht fotografiert werden dürfen. Der freiwillige Helfer Barry konnte uns zudem noch viele interessante Stories über die putzigen Tiere erzählen und lud uns danach noch auf ein paar Bierchen bei sich ein.

13. Tag: Wombats – Quadratisch, praktisch, gut!

fm_tasmanien_15Unser Programm für Tasmanien war jetzt zwar schon so gut wie durch, doch ein ganz wichtiger Programmpunkt stand noch an. Der Narawntapu National Park, aufgrund der enormen Artenvielfalt auch die Serengeti Tasmaniens genannt. Gelegen ist der Nationalpark etwa 25 Kilometer östlich von Devonport an der Mündung des Tamar Rivers zur Bass-Straße. Zwar war haben wir zu unserer großen Freude, wie oben beschrieben, auf „Tassie“ schon einen Nacktnasenwombat gesichtet, trotzdem wollten wir uns die Möglichkeit, die Tiere nochmal genauer beobachten zu können natürlich nicht nehmen lassen.
Da sich diese aber erst zur Dämmerung blicken lassen, machten wir noch eine letzte größere Wandertour entlang der Sandstrände des Parks. Als wir am frühen Abend dann zurück bei Charliene an der „Picnic Area“ ankamen, ging das Spektakel auch so allmählich los. Die ersten Wallabys fingen auf der Wiese an zu grasen, dann auch ein erster Wombat…und es wurden immer mehr! Diese drolligen Tiere sind eine der Attraktionen der australischen Fauna. Allerdings bekommt man sie sonst in der freien Wildbahn kaum zu sehen, da sie die meiste Zeit des Tages faul in ihren Höhlen liegen und auch sonst als sehr scheu gelten. Aber hier laufen tatsächlich unglaublich viele auf einer großen Wiese herum und kommen bis auf wenige Meter an einen heran. Irgendwann wurde uns das Treiben dann doch zu bunt und wir suchten uns einen Schlafplatz auf den Weg zurück Richtung Devonport.

14. Tag: Auf Wiedersehen „Tassie“

Der letzte Tag wurde noch einmal in Devonport mit verschiedensten Besorgungen und einem Durchchecken von Charliene verbracht. Am frühen Abend hieß dann Abschied von „Tassie“ nehmen. Bei der nächsten Australienreise sehen wir uns wieder. Mit der „Spirit“ ging es nun wieder zurück nach Melbourne.

fm_tasmanien_16Fazit

Die Fragen, die uns vor unserer Reise verfolgt haben, können wir nach unserem zweiwöchigen Trip nach Tasmanien nun eindeutig beantworten. Ein Ausflug auf die Insel lohnt sich auf jeden Fall und wir können jedem Australienreisenden nur empfehlen (bei genügend zur Verfügung stehender Zeit) unbedingt „Tassie“ einen Besuch abzustatten. Man mag wie wir vielleicht erst meinen, dass es auf dem australischen Festland doch schon eigentlich alles zu sehen und bestaunen gibt, aber Tasmanien ist nochmal etwas Besonderes, etwas Einzigartiges und rundet einen Australienreise unserer Meinung nach erst so richtig ab.
Speziell hervorzuheben ist natürlich die tasmanische Wildnis. Bei vielen fantastischen Wanderungen durch den Regenwald zu idyllischen Wasserfällen oder entlang bizarrer Klippenformationen an den Küsten, sind wir kaum einer Menschenseele begegnet. Das kannten von den meisten Regionen auf dem Festland nicht und machen Ausflüge in die Natur natürlich immer besonders schön. Sehr beeindruckend und bemerkenswert ist, dass 45% der Landfläche als Nationalparks ausgewiesen sind. Das Klima ist sehr gemäßigt und vor allem in den Sommermonaten deutlich angenehmer als in den meisten Teilen Australiens. Zudem hatten wir den Eindruck, dass die Tasmanier fast noch ein Tick relaxter, freundlicher und offener sind als die restlichen „Aussies“ sind. Alles in allem waren es zwei Wochen, die wir auf keinen Fall missen wollen und uns in vielerlei Hinsicht total begeistert haben.

Als Work and Traveller nach Tasmanien

Work and Travellern, die wie wir eine sehr lange Zeit Down Under verbringen, raten wir absolut sich mindestens 10 Tage Zeit für Tasmanien zu nehmen. Besonders für die Backpacker, die dem Trubel und den Partyhochburgen der Ostküste entschwinden wollen, ist die tasmanische Wildnis der perfekte Ort zur Entspannung, für Wanderaktivitäten und um sich einfach an der Natur zu erfreuen.

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