Guadeloupe, Martinique & Dominica – von Judith Thoma

3 Wochen Karibik – sonst noch Wünsche?!

Karibik_005„Komm mit in die Karibik, triff meine Familie, es wird lustig!“, hat er gesagt. Einen Monat später ist es soweit und für die darauf folgenden drei Wochen finde ich mich fast täglich bei einem großen Familienessen mit am Tisch sitzend und rätselnd, was in Creole oder Französisch gesprochen wird. Alle amüsieren sich köstlich! Und es sind jedes Mal neue Familienmitglieder mit von der Partie, sodass mir schwindelig wird, wenn ich die 10-20 Leute zur Begrüßung alle links und rechts abbusseln darf. Nach 3 Tagen gebe ich den Versuch, mir zu merken, wer wer ist, bereits auf. Is ja auch egal. Jeder ist dunkelhäutig, hat 2-6 total süße Schokokiddies, ist – Entschuldigung – gut beinander, laut, nett,… und beeindruckt, wie viel ich trinken kann.

Die karibische Kultur besteht aus drei Buchstaben in einem Wort: R-U-M! Schon zum Frühstück legen sie los. Ich bin deutsch, Backpacker und arbeite in einem Club. Sprich, ich trinke eigentlich immer. Wie viel ich wegtrinken kann, haben sogar die Leute dort noch nicht gesehen. Alkohol war also eine der Sprachen, in der wir uns richtig gut verstanden. Die andere war Domino. Ein Spiel, bei dem nicht viel geredet wurde und ich jeden schlug! Verflucht haben sie mich – und wir alle haben viel gelacht! Das spielten wir die 4 Tage, die mein Freund und ich in Martinique verbrachten, mit seiner dortigen Familie jeden Abend stundenlang.

Familien dort sind cool. Jeder hat ’ne super Abwehr, weil als Kind des öfteren vom Boden gegessen wird, – wenn es eben runter fällt – wo jede Mutter hier einen Schreikrampf kriegen würde! Die Familien sind groß und wohnen zusammen oder in derselben Straße, man veranstaltet fast täglich riesige Festessen, trinkt einiges an Rum weg und nimmt sich Zeit, um locker und glücklich zu sein. Mein Freund hat ungefähr 500 Familienmitglieder, vielleicht mehr. Er weiß es selber nicht.

Wir haben uns in Australien kennen gelernt, in Asien ein Jahr später wieder gesehen und sind seitdem zusammen. Wir sehen uns mal in München, wo ich lebe und mal in Paris, wohin er mit seiner Mutter als er 10 Jahre alt war
umgezogen ist. Und manchmal treffen wir uns auch in einer Stadt oder einem Land, das wir beide gern kennen lernen möchten. Diesmal dachten wir uns – warum nicht ab in die sonnige Karibik? Wir wohnten in Petit Bourg auf Basse Terre, – der bergigen und weniger heißen der zwei Inseln Guadeloupes, hatten ein geliehenes Auto und fuhren in 10 Tagen fast alles ab. Die kurvige „Rue de la Traversée“ war eine meiner Lieblingsrouten. Den immergrünen Regenwald entlang, kamen wir auf der anderen Seite von Basse Terre in Bouillante raus, von wo aus wir mehrmals tauchen gingen. Oder wir entspannten an sonnigen Stränden, wo der Sand einem die Füße verbrannte.

Karibik_002Auf Märkten kauften wir Avocados, die dreimal so groß und gut waren, wie die in Europa. Auch an selbstgemachten Marmeladen, Rum, Gewürzen und vielem mehr mangelte es nicht. Generell kochen die Leute dort scharf und meistens Reis mit roten Bohnen und Fleisch oder Fisch. Dazu manchmal noch exotische Früchte, wie z.B. Fruit au Pain („Brotfrucht“), was wir hier gar nicht kennen. Schmeckte sehr gut! Ich fragte einmal in einem Café, wo wir ein Sandwich aßen, nach Salz – das stand dort nämlich nie auf dem Tisch – und wurde neugierigst beobachtet, wie ich es auf mein Sandwich streute.

Les Saintes, eine der kleinen Inseln um Guadeloupe herum, gefiel mir sehr gut!

Wir machten einen Tagesausflug dorthin, liehen elektrische Fahrräder aus und fuhren den Berg hoch zur Festung Napoleons – und wieder runter, zu einem der schönsten bisher gesehenen Schnorchel-Strände. Da die Karibik sogar noch teurer ist als Paris – und das muss man sich mal vorstellen – bauen die Leute dort alles selbst an und kaufen außer Reis, Baguette, Zigaretten und Rum eigentlich nichts im Laden. Der Vater meines Freundes hat beispielsweise Hühner, Krabben und Schweine im Garten, sowie Avocado-Bäume, es wachsen Ananas und sämtliches anderes. Was mir richtig gut schmeckte, waren die sogenannten „Apple Bananas“. Klein, süß und apfelbananig! Muss man lieben! Auch in Passionsfrüchte war ich total vernarrt! Ohne mehrere davon mit einem Löffel Zucker zum Frühstück konnte der Tag nicht starten.

Nach 10 Tagen in Guadeloupe ging es weiter mit dem Boot nach Dominica.

Karibik_003Die Insel liegt zwar zwischen zwei Französischen Inseln (Guadeloupe und Martinique), ist jedoch Englisch. Dementsprechend wird dort Englisch (mit einem lustigen Akzent) sowie Creole gesprochen, kein Französisch. Es gibt kaum Restaurants, viel weniger Einwohner als in Guadeloupe und keine Umweltverschmutzung durch Abgase – Natur PUR!

Durch die sogenannte „Fluss-Insel“ bahnen sich 365 Flüsse – einer für jeden Tag des Jahres – und unzählige Blumen, Kräuter, Früchte etc. Wir wohnten in den Bergen nahe den Trafalgar Falls. Es regnete immer, da wir mitten im Regenwald waren, was jedoch dank des warmen Klimas eher erfrischend als lästig war. In den Hot Pools nahe des Wasserfalls ließen wir es uns gut gehen und unternahmen wunderschöne Wanderungen. An einem Tag fuhren wir fast die ganze abartig bergig und kurvige Insel ab und sahen u.a. das Dorf der Caribs, der ersten Einwohner der Insel, noch bevor Columbus kam. Das Schnorcheln in „Champagne“ war das Größte! Es blubberte aus dem Boden heraus, tatsächlich wie als würde man in einer Champagner-Flasche tauchen! Faszinierend. Und auch die Fische waren nicht zu verachten!

Nach leider nur 3 Tagen dort nahmen wir erneut das Boot weiter südwärts nach Martinique, wo wir wieder bei der Familie meines Freundes wohnten.

Karibik_004Die „Blumen-Insel“ hat mir eventuell sogar noch besser gefallen, als die anderen. Hier verbrachten wir 5 Tage, liehen ein Auto aus und fuhren wieder das meiste ab, bis ganz rauf in den Norden, wo wir den Vulkan hoch wanderten und ganz in den Süden, wo wieder die Badestrände lockten. Eine Besonderheit der Strände war die selbstgemachte Kokosnuss-Eiscreme, die von Frauen dort meist anboten wurde. Sie schmeckte so himmlisch natürlich und kokosnussig, wie kein anderes Eis! Auch ein Besuch einer der Rum-Fabriken durfte natürlich auf keinen Fall fehlen! Clément ist der beste Rum von dort, der außerdem weltweit verkauft wird. Martinique ist ganz anders als Guadeloupe. Viele Franzosen aus Frankreich ziehen dorthin um, wodurch die Insel ein wenig die eigene Kultur aus den Augen verloren hat und im Gegensatz zu Guadeloupe z.B. mehr Französisch als Creole gesprochen wird. Jedoch ist das aus meiner Sicht auch keineswegs negativ. In Guadeloupe sind weniger Touristen und ich denke, alle Einwohner stammen auch von dort. So ziemlich alle Einwohner Guadeloupes stammen von dort und man begegnet viel weniger Touristen.
Danach ging es nochmal für ein paar Tage zurück auf die erste Insel und wieder zurück ins kalte Europa!

Was ich aus dem Trip gelernt habe? Meine Salz-Abhängigkeit langsam abzubauen.

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