Kurztrip nach Ägypten

Freitag 12 Uhr auf geht’s zum Flughafen

Um 14:25 geht der Flug nach Izmir, natürlich noch nichts richtiges zum Essen gehabt und dann bekommt man nur ein latschiges Käsebrot und ein Döschen Wasser, naja von einer Billig-Airline darf man sich halt nix großes erwarten.

Von Izmir ging es dann weiter nach Ashuan, ins Gespräch mit meiner Sitznachbarin gekommen (Ukrainerin) und ich Depp hab mich dann auch noch dazu überreden lassen, dass ich mit ihr  das Boot tausche, damit Sie mit ihren Reisekolleginnen zusammen sein kann (aber dazu später mehr). In Ashuan angekommen wurden wir erst einmal mitten auf dem Rollfeld von einem klapprigen Bus abgeholt (wir waren übrigens die einzigen auf dem Flughafen). Als wir in die Eingangshalle kamen, war dort ein riesiger Trubel, kleine Kinder sangen deutsche Lieder, die ich noch nie gehört hab und vielleicht auch irgendwas mit dem Deutschen Reich zu tun haben. Sie verteilen Röschen und der Ministerpräsident von Ashuan schüttelt jedem von uns die Hand. Natürlich war überall Presse und alles durcheinander. Schnell das Visum gekauft und raus – dachte ich – auf einmal läuft mir noch einer nach und sagt, halt du bist noch gar nicht eingereist! Hab ich doch tatsächlich vergessen bei der Passkontrolle durchzugehen und die haben es beinahe nicht gemerkt. Draußen auf dem Parkplatz auf einmal laute Musik – ich dachte ich träume. Tanzen da auf einmal ca. 60 Jugendliche und Kinder ägyptische Volkstänze und begleiten uns tanzend und musizierend zu unseren 9 top-modernen Bussen.

Und jetzt kommt es, ich hab vorher erwähnt, dass die Ukrainerin mit mir Schiff bzw. Bus tauschen wollte. Da hatte aber keiner eine Ahnung wie das funktionieren sollte und die Osteuropäer haben die Ägypter so lange drangsaliert, bis diese fast verrückt geworden sind (von wegen, dann bleib ich jetzt genau hier und fahr nicht mit). Irgendwann haben Sie es dann doch geschafft, ihren Willen durchzusetzen und wir durften tauschen. Ach ja das hab ich noch gar nicht erwähnt:  Als wir zu den tanzenden Kindern raus kamen, ist mir aufgefallen, dass ca. 30 Polizisten und Securities mit autom. Kalaschnikows da standen und aufpassten. Diese Sicherheitsmänner begleiteten uns dann mit Blaulicht im Konvoi zu den Schiffen.

Und noch etwas, was mir aufgefallen ist:  Auf der Straße fahren die mitten in der Nacht alle ohne Licht. Die haben dann zwar noch irgendwelche zusätzlichen Lichter am Auto angebracht, dass man sie wenigstens ein bisschen sieht, aber viel hat das dann auch nicht gebracht. Ich hab mir dann erzählen lassen, dass die einfach in der Nacht nicht mehr fahren dürfen und deshalb einfach das Licht ausschalten – total verrückt!

Naja – auf jeden Fall waren wir dann gegen 2 Uhr auf den Schiffen und jeder hat sein Einzelzimmer bekommen. Es gab noch einen kleinen Snack, ein Bier und dann wollte ich eigentlich ganz schnell ins Bett – dachte ich -, bis ich in mein Zimmer kam und mein Koffer nicht da war, der mir dort hätte reingestellt werden sollen. Naja eine Stunde später ist er dann aufgetaucht. Ein Page hat die Zimmernummer vom Hotel Ramada in Istanbul genommen, die auch noch auf meinem Koffer klebte. Endlich schlafen. Um 6 Uhr ging der Wecker, schnell unter die Dusche, zum Frühstück, einen Instantkaffee reingezogen (im 4 Sterne Boot) und zum Treffen um 7:15 Uhr. Toll, keiner da, nur unser Bus ist voll. Hat unsere Leitung wohl einfach verplant, dass es doch erst um halb neun los geht und wieder gewartet. Naja, egal. Ist ja schön warm (30°). Zuerst sind wir über den alten Ashuan Damm zum neuen gefahren, haben dort dann eine kleine Bootstour am Damm entlang zu einem 2000 Jahre alten Tempel gemacht, den die Deutschen im Zuge des Dammbaus versetzt haben (finanziert). Ach ja, den Damm hat HochTief gebaut. Nach der Bootstour haben wir noch schnell auf dem Damm Fotopause gemacht, einen noch nicht fertiggestellten Obelisken in der Hitze begutachtet und sind dann zurück zu den Schiffen zum Mittagessen gefahren. Zu unserem Guide ist noch zu sagen, dass er jede anmacht, egal ob 60 oder 16, dies macht er aber auf eine so nette Art, dass es echt lustig ist ihm zuzuschauen.

Am Nachmittag sind wir dann zum Basar, auf dem man neben dem üblichen Fälschungszeug auch gut und viele Gewürze kaufen kann. Interessant sind auch die Stände, an denen du eingelegten schimmligen Fisch in Einmachgläsern kaufen kannst. Was ich vergessen hab zu sagen ist, dass uns die 30 Leibwächter und Polizisten natürlich die ganze Zeit auf Schritt und Tritt verfolgt haben, das ist schon ein komisches Gefühl wenn einer mit einer Pistole und einer Maschinenpistole im Halfter die ganze Zeit neben dir her läuft.

Vom Basar ging es dann direkt mit dem Bus im Polizeikonvoi durch den gefährlichen und dunklen Straßenverkehr erst in einen kleinen Park, von wo man eine super schöne Aussicht auf den Nil hat und kleine Mädchen jeden herzlich begrüßen und dann zu einer Bootsanlegestelle, von der wir dann mit kleinen Booten zum Tempel gefahren sind. Absolut eindrucksvoll ist dieser vor allem am Abend, wenn die Strahler die Fassaden in Szene setzen. Ein absolutes Muss ist dann die Licht und Tonproduktion, die Sie, weil wir so viel Deutsche waren, auf Deutsch abgespielt haben. Nach der Show ging es dann wieder zurück zu unserem Schiff, wir haben Dinner bekommen und über mir rumpelt jetzt grad alles, da noch Volkstänze aufgeführt werden, ich aber so fix und fertig bin, dass ich schon im Bett lieg. Morgen ist schließlich auch noch ein Tag und ich kann dann zum Glück erst einmal ausschlafen.

Was ich auch noch vergessen hab zu sagen ist:  Wir haben einen Zimmerjungen, der einem jedes Mal ein Handtuchtier auf dem Bett aufbaut und dann immer neben einem stehen bleibt und Trinkgeld will. Gestern hab ich ihm dann 5€ gegeben und ihm erklärt, dass das für die ganze Zeit ist. Heute steht er dann wieder da und baut ein Krokodil zusammen. Ich  hab ihn dann einfach ignoriert und bin gegangen.

Jetzt fahren wir grad den Nil entlang. Anfangs hab ich mich noch auf die Sonnenterasse oben gelegt, was ist mir jetzt aber zu heiß geworden ist, denn die Sonne prallt runter wie sonst noch was.

Nach einer Besichtigung einer Tempelanlage mit wirklich beeindruckenden Malereien und mumifizierten Krokodilen, ging es dann im Bus 7 Stunden an die Küste. Dort verbrachten wir noch einen Tag in einem Resort.

In der Früh ging es dann wieder zum Flughafen und über Izmir zurück nach Deutschland.

Fazit: Ägypten ist ein schönes Land, leidet aber extrem unter den politischen Unruhen. Der Tourismus ist vollkommen am Boden und die Industrie geht meiner Meinung nach den falschen Weg, um die Nachfrage zu steigern. Heruntergekommene Einrichtungen werden nicht renoviert sondern einfach daneben neu gebaut. Dadurch wird die Landschaft durch immer mehr und mehr Bauruinen zerstört.

Nice to know:

  • 96% Ägyptens besteht aus Wüste, nur 4% sind wirklich bewohnbar. Das sieht man auch, wenn man den Nil entlang fährt, da gibt es nur einen Streifen von 500 Meter nach rechts und nach links, sonst ist alles einfach nur Wüste.
  • In Ägypten ist Land sehr teuer (in der Stadt cal 1000€ pro Quadratmeter. Es gibt aber einen Trick:  Ägypter setzen sich einfach irgendwo eine Strohhütte hin und warten 15 Jahre oder stellen sich gut mit den Nachbarn, dann gehört ihnen das Land rundherum.
  • Die meisten Ägypter bauen ohne Baugenehmigung, um einem Abriss zu entgehen, wird einfach eine Moschee in das Haus integriert und schon kann man es nicht mehr abreißen.
  • Alle 2-3 Km sind kleine Pumpen am Nil, die das Wasser ins Landesinnere befördern

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