Gruppenbild Namibia

Freiwilligeneinsatz in Namibia – Erfahrungsbericht

Michelle Burggraf befindet sich ein Jahr lang im Freiwilligeneinsatz in Namibia. In Windhoek arbeitet sie in der Havana Soup Kitchen, einem Projekt, das junge Vorschulkinder aus schwierigen Verhältnissen auffängt, betreut und mit zwei Mahlzeiten täglich versorgt.

Um Michelle diese Zeit zu ermöglichen, hat hm touristik im vergangen Jahr über das Freiwilligenportal Volunta der DRK eine Spende von 1.000 € getätigt. Nachdem Michelle nun bereits über ein halbes Jahr in Windhoek lebt und arbeitet, zieht sie für uns eine Zwischenbilanz über ihr Leben, ihren Freiwilligendienst, die Arbeit und das Reisen in Namibia.

Michelle Burggraf, unsere Gastautorin

Michelle Burggraf, unsere Gastautorin

Mein Internationaler Freiwilligendienst in Namibia

Jetzt ist schon über ein halbes Jahr meines Freiwilligendienstes vergangen, und ich möchte Ihnen hier ein wenig von den Dingen erzählen, die ich bis jetzt erlebt habe.

Unsere Wohnsituation in Windhoek

Ich wohne mit 5 anderen Freiwilligen zusammen bei einer Gastfamilie in Wanaheda, einem recht armen Stadtteil von Windhoek in Namibia. Ich teile mir mein Zimmer mit Krissi, die im selben Projekt arbeitet wie ich. Uns allen gefällt das Leben in der Gastfamilie sehr gut, da wir somit viel mehr von der Kultur erfahren dürfen und sie uns stets mit Rat und Tat zur Seite stehen. Unsere WG besteht aus 4 Mädchen und 2 Jungen, wir verstehen uns wirklich gut und sind inzwischen schon fast wie eine Familie geworden.

Meine Arbeit in der Havana Soup Kitchen

Michelle arbeitet in der Havana Soup Kitchen in Windhoek. Dort werden täglich 40 Vorschulkinder mit Essen versorgt und mittels Lernspielen und kleinen Projekten auf die Schule und das Leben vorbereitet. Aus nachvollziehbaren Gründen möchte die Havana Soup Kitchen nicht, dass Freiwillige Bilder von den Kindern oder der Arbeit öffentlich teilen. Das respektieren wir selbstverständlich auch in diesem Artikel.

Havana, ein "inoffizieller" Stadtteil Windhoeks

Havana, der „inoffizielle“ Stadtteil Windhoeks, in dem Michelle arbeitet

Die Arbeit ist eigentlich das Beste an meinem Auslandseinsatz. Ich hab die Kinder wirklich unglaublich gerne. In der Früh beginnen wir erst mal damit, mit den Kindern zu spielen, oder manchmal wollen sie einfach auch nur auf unserem Schoß sitzen und in den Arm genommen werden.

Im Anschluss waschen wir ihnen die Hände und verteilen das Essen an sie. Man muss sagen, dass die Kinder verhältnismäßig wirklich gutes, abwechslungsreiches Essen bekommen. Für viele Kinder sind die Mahlzeiten in der Suppenküche die einzigen, die sie bekommen. Auf dem Speiseplan stehen meist Nudeln, Reis, Kartoffeln oder Maisbrei mit Sauce. Dazu gibt es hin und wieder auch Fleisch und Fisch.

Ausblick über Windhoek, Namibia

Ausblick über Windhoek, Namibia

Nach dem Frühstück fangen wir alle gemeinsam an, setzen uns nach draußen und beten, singen, lernen Farben, und sagen Gedichte auf. Danach werden die Zähne geputzt und die Kinder müssen sich je nach Alter in drei Gruppen aufteilen. Bisher war es so, dass Krissi und ich die älteste Gruppe (6 Jahre) zusammen übernommen haben und ihnen viele Dinge beibringen konnten. Beispielsweise können sie jetzt alle ihren Namen schreiben, die Farben erkennen, ihre Schuhe selbstständig binden, ihre Körperteile auf Englisch benennen, etc.

Das Schöne daran sind einfach die Fortschritte, die die Kinder so schnell machen. Das tut wirklich gut zu sehen, und ich merke, wie sinnvoll die Zeit hier genutzt wird.

Wir haben zum Beispiel mit den Kindern ein Projekt gestartet, um das gegenseitige Schlagen zu verhindern. Dazu haben wir Regeln aufgestellt und man kann wirklich sehen, dass es sich gebessert hat.

Im Anschluss haben die Kinder eine Stunde Freizeit zum Spielen, und wir bereiten währenddessen den Unterricht für den nächsten Tag vor. Später werden dann nochmals die Hände gewaschen und das Mittagessen verteilt.

Havana – der Stadtteil, den es offiziell nicht gibt

Havana, Windhoek, NamibiaAllerdings muss ich sagen, dass es manchmal nicht einfach ist, mit den Kindern zu arbeiten. Das liegt daran, dass ich in Havana arbeite. Havana ist ein inoffizieller Stadtteil von Windhoek, der offiziell gar nicht existiert. Das bedeutet, dass es dort weder Strom noch Abwasser oder sonstige Infrastruktur gibt. Im Prinzip ist der ganze „Stadtteil“ ein Slum, bestehend aus Wellblechhütten. Auf den „Straßen“ liegen Müllberge, wo täglich der Müll verbrannt wird.

An Wasser kommen die Menschen in Havana nur mit Wassermarken und es kann auch einfach vorkommen, dass einen ganzen Tag gar kein Wasser zur Verfügung steht. Außerdem herrscht sehr große Arbeitslosigkeit. Die daraus entstehende Armut führt zu einer recht hohen Kriminalitätsrate und auch zu erhöhter Gewaltbereitschaft. Das überträgt sich natürlich auch auf die Kinder. Allerdings sind das nur subjektive Beobachtungen, die man auf keinen Fall verallgemeinern sollte!

Mein Alltag

Auf der anderen Seite gibt es natürlich nicht nur schlimme, sondern auch schöne Dinge zu erzählen.

Wanehada, Windhoek

Michelle wohnt in Wanehada, einem Stadtteil Windhoeks

Beispielsweise liebe ich die Freundlichkeit der Menschen hier. Immer wenn man jemandem auf der Straße begegnet, grüßt derjenige freundlich und fragt wie es geht. Dann antwortet man, fragt ebenfalls nach dem Befinden und geht weiter. Generell sind alle Menschen hier wirklich freundlich und herzlich zu uns, und ich habe mich hier keinen Moment unwohl oder nicht willkommen gefühlt. Gerade das schätze ich hier sehr, denn es hat es mir sehr erleichtert, mich in einem fremden Land schnell einzuleben und wohl zu fühlen.

Auch Taxifahrten liebe ich hier über alles. Wenn man von A nach B gelangen möchte, muss man immer ein Taxi nehmen, da es einfach keine Busse, Züge, etc. gibt. Also geht  man zur nächsten Taxistation, die üblicherweise maximal 200 Meter entfernt ist, oder hält ein Taxi auf der Straße an. Der Taxifahrer entscheidet dann, je nachdem wohin er gerade fährt, ob er einen mitnehmen möchte oder nicht. Normalerweise fährt man nie alleine Taxi. Der Taxifahrer sammelt auf dem Weg noch weitere Fahrgäste ein, da hier nicht nach Strecke bezahlt wird, sondern pro Fahrt. Eine Fahrt kostet, egal wohin, immer 0,70 € pro Person. Und so kommt es, dass man mit komplett Fremden im Auto sitzt, erst mal eine Weile in der Weltgeschichte umher fährt, um alle anderen Mitfahrer abzuliefern und mit den Taxifahrern und den Fahrgästen teilweise wirklich interessante Gespräche über Gott und die Welt führt.

Roadtrip durch Namibia, Botswana und Sambia

Epupa Wasserfall, Namibia

Am Epupa Wasserfall, Namibia

Anfang Dezember haben in Namibia die Schulferien begonnen, und wir hatten bis Mitte Januar frei. Also entschlossen wir uns dazu, einen Roadtrip durch Namibia, Botswana und Sambia zu starten. Zusammen mit 8 Mitfreiwilligen machten wir uns mit einem Auto auf den Weg, das Land zu erkunden. Wir legten insgesamt 6000 km zurück, auf denen wir unfassbar viel erlebten.

Namibia ist wirklich ein ausgesprochen abwechslungsreiches Land. Wir durften verschiedenste, beeindruckende Landschaften und eine unglaubliche Vielfalt an Tieren bewundern. Das Highlight unserer Reise war der Etosha Nationalpark, in dem wir Löwen, Elefanten, Giraffen, Zebras, Gnus und viel mehr in freier Wildbahn sahen.

Wie geht es weiter?

Sonnenuntergang in Wanehada, Namibia

Sonnenuntergang in Wanehada, nahe Michelle Burggrafs Zuhause für ein Jahr

Anfang Februar hatten wir eine Woche lang Zwischenseminar mit unserer Organisation. Dabei hatten wir die Möglichkeit, uns über positive und negative Erfahrungen und Erlebnisse auszutauschen, Probleme anzusprechen und Lösungen für die Zukunft zu finden.

Jetzt ist es tatsächlich nur weniger als ein halbes Jahr, das ich noch vor mir habe und ich freue mich schon auf die Dinge, die ich in dieser Zeit noch erreichen werde. Insgesamt bin ich mir sehr sicher, dass die Entscheidung dieses Jahr hier zu verbringen, eine der besten Entscheidungen meines Lebens war. All das, was ich bis jetzt schon erleben durfte und besonders die Arbeit in Havana mit den Kindern haben mich für mein Leben geprägt.

Ganz besonders möchte ich mich nochmals beim Team von hm touristik für die Chance dazu bedanken. Denn ohne Ihre großzügige Spende wäre all das gar nicht erst möglich gewesen.


Michelles Zwischenbilanz zu ihrer Zeit in Namibia hat uns sehr beeindruckt und gefreut. Ein internationaler Freiwilligeneinsatz ist eine große Entscheidung, aber so gut wie immer gewinnbringend für alle Beteiligten. Auch einige Mitglieder unserer Teams haben aus Überzeugung und Leidenschaft viel Zeit mit Freiwilligenprojekten im Ausland verbracht. 

Auf unserer Website help+travel stellen wir über 25 internationale Freiwilligenprojekte vor, die wir aus vollem Herzen weiterempfehlen können. Bei Fragen zu Auslandseinsätzen und einzelnen Projekten sind Kollege Walter und sein help+travel-Team gern unter Tel. 089 3398087 630 erreichbar.

 

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