5 Monate Weltreise – Teil 2: Auckland nach Wellington

Hallo Neuseeland

Heute, am 25.2.17 sind wir um 10 Uhr bei Maui in Auckland und mit uns hundert andere Reisende die ihren Camper in Empfang nehmen wollen und Abreisende, die mit vollen Koffern auf den Bus warten, der sie zum Flugplatz bringt. Der Laden ist voll und die Angestellten huschen hin und her. Die Wartezeit können wir mit „free Coffee & Tea“ überbrücken. Nach zwei Stunden kommen auch wir dran. Die Einweisung ist kurz: vier Seiten Bilder, wie man Wasser, Gas, Heizung, Strom betätigt und ein Blick auf das Navi – das war’s. Für weitere Informationen sind Videos auf dem Navigationsgerät unter HELP anzusehen. Als erstes geben wir ab, was wir nicht brauchen, wie 2 dicke Kissen, Wasserkocher, Toaster, und Heizlüfter die auf 220V nur funktionieren. Die Mikrowelle können wir leider nicht ausbauen, aber mit zwei kleinen Kartons wird sie eine Kruschtschublade. Der dringend notwendige Supermarkt wurde uns noch im Navi eingestellt, dann sind wir entlassen.

Unser Camper

Das Auto ist ein Mercedes-Diesel-Van mit Automatik und viel Elektronik. Wenn wir überholt werden, leuchtet ein rotes Warndreieck im Fahreraussenspiegel auf, in der Schlange ist es gelb. Überqueren die Räder die Begrenzungsstreifen, piepst es. Rundum sind große Fenster, die tagsüber die wärmende Sonne und früh morgens die bittere Kälte herein lassen. Schnell begriffen wir weshalb, warum wir dicke Betten und Decken bekamen. Wie bestellt: die Solarzelle, Webasto-Dieselheizung. Alles ist edel: Geschirr Arcopal (kein Plastik) und alles in bester Qualität vorhanden, was man zum Kochen braucht; Außenkocher mit Grillfläche (bei meist vorhandenem Wind nicht zu gebrauchen) und einen schmalen Tisch, den man daneben einhängen kann; Campingtisch und bequeme Stühle.

Im Supermarkt versorgen wir uns mit Lebensmitteln, Klopapier und reichlich Kartons, um die Fächer einzurichten. Marion ist Meisterin die Kartons fächergerecht zuzuschneiden. Nach der Arbeit will ich mir in dem kleinen Waschbecken im Dusch-WC die Hände waschen und bekomme einen kalten Wasserschauer von oben. Der Handhebel ist nur für die Dusche, es gibt keinen Wasserauslauf für das Waschbecken. Der Designer hat sich vielleicht überlegt, wie bekomme ich in 65×90 cm eine Toilette, ein Waschbecken und eine Dusche unter? Ergo: Je höher der WC-Sitz, desto mehr muss man sich strecken, desto mehr sind die Knie durchgedrückt und brauchen weniger Platz – kurzbeinige, wie wir, sitzen mit Zehenspitzen am Boden. Es ist unser „Ballerina-Klo“. Der Duschschlauch ist in den Putzeimer verbannt worden, der Duschhalter oben ist nun unser Klopapierhalter.

Los geht’s!

Unser Routenplan geht von Auckland südwärts an der Westküste entlang nach Wellington. Die Landstraßen sind beidseitig dicht mit Wildblumen in blau, rot und weiß gesäumt oder haben hohe Wände aus Busch und Farn. Ab und zu kann der Blick über das hügelige Land von „Bilbo Beutlin“ schweifen, dessen Gräser bereits braun werden. Die Seen, an denen wir vorbeikommen, liegen einsam in der Landschaft. Auf den Weiden grasen entweder geschorene Schafe, die ohne ihre Wolle sehr mager aussehen, oder schwarzbunte Rinder. Die Brücken über die vielen Bäche und Flüsse sind meist einspurig und haben eine Haltlinie für den Gegenverkehr, die beachtet werden muss. Vereinzelt sieht man noch dicke, alte Bäume, die von den Siedlern noch nicht gefällt wurden.

Die Besichtigungspunkte, die auch ich bewältigen kann, hat Marion bereits zuhause im Buch angestrichen. So freue ich mich auf den Bridal Veil Wasserfall, nur 10 Minuten vom Parkplatz erreichbar. Was nicht erwähnt wurde: ab der Aussichtsplattform gehen 221 Stufen abwärts bis zum 6m tiefen Becken. Mutig gehe ich die Stufen langsam abwärts, wie ein kleines Kind, immer den linken Fuß zuerst. Schön ist der Regenwald links und rechts, unschön die Stufen. Unten angekommen, stelle ich das Stativ auf, bereite die Kamera vor, da kommt plötzlich ein heftiger Wind auf, der den Wasserfall über mich weht. Sofort ist Kamera und ich nass. Die nächsten Tage geht Marion allein Wanderwege durch den Regenwald, während ich nur kurz in die Wege mit Stativ und Kamera hinein schnuppere, denn die Wege sind für gesunde Beine angelegt.

Vulkan Mt.Taranaki

Unser erster Vulkan, der „Mt.Taranaki“, versteckt sich nachmittags, als wir ankommen, hinter Wolken, die
immer dunkler werden. Wir sind enttäuscht. Die Überraschung ist groß, als er sich morgens bei strahlendem Sonnenschein präsentiert und noch lange auf unserer Weiterfahrt zu sehen ist. Die Flut ist sehr früh morgens und spät abends, so sehen wir schöne Buchten nur bei Ebbe mit weit hinaus ragendem Schlick, der nicht zum Spazierengehen animiert. An der „Ohawebeach“ ist wieder Ebbe, doch mit schwarzen Sandstand, Steilküste und einem kleinen, einfachen Campingplatz. Wir bleiben zwei Nächte und
erleben Flut mit heftigen Wellen und einen fantastischen Sonnenuntergang.

In New Plymonth bekomme ich nach langem Suchen einen kleinen 220V Inverter für die Autosteckdose, den ich dringend brauche. Es war ein Schock als ich entdeckte, dass die vielen Steckdosen im Camper nur bei 220V Außenanschluß funktionieren. Wir sind ganz selten auf einem Campingplatz mit Strom und so konnte ich nicht meinen Acer-Laptop aufladen, den ich zum Speichern der Fotos und zum Schreiben gebrauche.

In Wellington angekommen buchen wir die Fähre für den nächsten Tag. Es weht ein bitterkalter Wind, der Himmel ist bedeckt, die Neuseeländer tragen Wollmützen, Winteranorak aber teilweise mit kurzen Hosen. Ich friere am Kopf, der Wind tut den Ohren weh, so gehe ich auf Suche nach einer Wollmütze. Im Kaufhaus führt mich eine Verkäuferin ins Untergeschoss und zeigt mir die einzige Wollmütze, die sie noch haben. Sie ist stark herabgesetzt, weil doch Sommer ist, sagt sie. Die Mütze ist zwar etwas eng und eine Männermütze,trotzdem kaufe ich sie für 3,50€ und gehe stolz mit Kopfbedeckung, wie die Kiwis, zurück. Auf der Überfahrt haben wir schlechtes Wetter, doch die Einfahrt in Picton auf der Südinsel gab traumhafte Fotos.

 

 

 

 

 

 

 

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