Mit dem Wohnmobil von Melbourne nach Sydney

Unterwegs im Südosten Australiens

In Anbetracht der enormen Distanzen muss sich der Wohnmobil-Urlauber in Australien vorab für eine bestimmte Route entscheiden. Besonders beliebt sind dabei die Fahrten von Sydney nach Brisbane, oder von Brisbane nach Cairns. Eine meiner Lieblingsetappen führt von Melbourne nach Sydney – allerdings nicht auf direkter Verbindung oder entlang der Küste, sondern in großem Bogen via die Outbackstadt Broken Hill.

Abendstimmung am Yarra River in Melbourne

Quelle: Armin Tima

Abendstimmung am Yarra River in Melbourne

Rund 2800 Kilometer muss man hierfür zurücklegen – in vier Wochen ist das mit dem Wohnmobil noch gut zu schaffen. Unterwegs gibt es dann das Beste des Australischen Südosten zu sehen: Die beiden Metropolen Melbourne und Sydney, aber auch entspannte Küstenorte und verschlafene Outbackdörfer. Man befährt die kurvenreiche Great Ocean Road ebenso wie schnurgerade Inlandshighways, die bis zum Horizont reichen. Es gibt Regenwälder und Sandstrände zu entdecken, man kann ausgezeichnet wandern, surfen und baden. Zahlreiche Nationalparks liegen entlang der Route, der bedeutendste davon ist sicherlich der Mungo National Park – hier fand man die ältesten Spuren menschlicher Besiedlung Australiens. Abwechslung ist also garantiert.

Von Melbourne über die Great Ocean Road

Ausgangspunkt unserer Reise ist Melbourne, mit rund 4,2 Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt des Landes hinter Sydney. Bekannt ist die Stadt an der Corio Bay vor allem für seine Laneways – die engen und verwinkelten Gassen im Innenstadtbereich. Hier finden sich kleine Cafés, Bistros und – oft regelrecht versteckt – die angesagtesten Bars der Stadt. Speziell die Live-Musik Szene sucht in Australien ihresgleichen. Nach der wohl berühmtesten Formation des Landes ist dann natürlich auch eine der kleinen Gassen benannt: die ACDC Lane. Laue Sommerabende verbringt man aber am besten an den Ufern des Yarra River.

Die schroffe Steilküste an der Great Ocean Road

Quelle: Armin Tima

Die schroffe Steilküste an der Great Ocean Road

Nach drei Tagen in Melbourne machen wir uns mit dem Wohnmobil auf ins 100 Kilometer entfernte Torquay, einem Zentrum der australischen Surfkultur. Der legendäre Bells Beach liegt direkt vor den Toren der Stadt, außerdem beginnt hier eine der schönsten Touring-Routen des ganzen Landes: die Great Ocean Road. Rund 250 Kilometer führt die Küstenstraße nach Westen, vorbei an tiefgrünen Regenwäldern und schroffen Steilklippen. Beliebteste Sehenswürdigkeit sind sicherlich die 12 Apostel, eine Gruppe von bis zu 60 Meter hohen, frei im Meer stehenden Felssäulen. Hierher kommen die Touristen in Scharen und die stört es dabei auch wenig, dass mittlerweile nur noch acht Apostel stehen.

Einen Abstecher wert ist die Fahrt zum Cape Otway. Hier geht es wesentlich geruhsamer zu und vom Leuchtturm hat man einen wunderbaren Blick über die Küste. Außerdem kann man entlang der Stichstraße ausgezeichnet Koalas beobachten. Man sollte allerdings auch etwas aufpassen, denn so mancher Autofahrer legt aus scheinbar heiterem Himmel eine Vollbremsung hin, sobald er eines dieser Fellknäuel in den Bäumen entdeckt.

Durch Nationalparks zum Murray River

Entlang der Straße zum Cape Otway Leuchtturm kann man leicht Koalas beobachten.

Quelle: Armin Tima

Entlang der Straße zum Cape Otway Leuchtturm kann man leicht Koalas beobachten.

Die Great Ocean Road endet nahe Warrnambool, wo wir die Küste verlassen und nach Norden zum Grampians National Park fahren. Outdoor- und Naturfreunde kommen hier ganz auf ihre Kosten, rund 160 Kilometer Wanderwege durchziehen den 168.000 Hektar großen Nationalpark. Nach den verheerenden Buschfeuern von 2006 – rund die Hälfte des Parks fiel damals den Flammen zum Opfer – hat sich die Natur schnell erholt und ist wieder eine Vielfalt an Pflanzen und Tieren zu bestaunen. Man kann im Park einige wunderbare Aussichtspunkte ansteuern, speziell in den heißen Sommermonaten machen sich die Urlauber lieber auf zu den Wasserfällen. Besonders zu empfehlen ist auch ein Besuch des Brambuk-Kulturzentrums, hier gibt es gute Ausstellungen über die in der Region heimischen Aborigines.

Kängurus in den Grampians

Quelle: Armin Tima

Überhaupt nicht scheu: Kängurus grasen entspannt auf der Campingwiese im Grampians Nationalpark

Nächste Station unserer Reise ist Mildura. Die Stadt liegt am Murray River, dem „Mighty Murray“ (der mächtige Murray), wie die Einheimischen den wasserreichsten Fluss des Landes nennen. Einst war er wichtiger Transportweg; wo heute nur noch Hausboote schippern drangen einst große Schaufelraddampfer von der Mündung in Südaustralien bis weit ins Landesinnere vor. Mit Aufkommen der Eisenbahn verlor die Flussschifffahrt an Bedeutung, heute ist der Fluss vor allem für die Bewässerung der landwirtschaftlichen Flächen unerlässlich. Mit einer durchschnittlich transportierten Wassermenge von 750 Kubikmeter pro Sekunde ist der Murray im internationalen Vergleich übrigens gar nicht so mächtig: die Donau schafft diesbezüglich das Neunfache, der Amazonas gar 270-mal so viel.

Mildura ist zudem eine gute Basis für Ausflüge in den Mungo Nationalpark. Die dort in der 1970er Jahren entdeckten Knochen waren eine echte Sensation und forderten eine Neuschreibung der australischen Geschichte: es konnte nun belegt werden, dass die Aborigines bereits seit über 40.000 Jahren den Kontinent besiedeln und nicht erst – wie ursprünglich angenommen – seit 8.000 Jahren. Geführte Touren in den Park kosten zwar rund 120 Euro pro Person, sind aber das Geld wert. Ortskundige Guides habe nicht nur interessante Geschichten auf Lager, mit ihnen kann man auch Bereiche besuchen, die sonst für die Allgemeinheit gesperrt sind.

Mit dem Wohnmobil durch das Outback von New South Wales

Der Murray River bildet die natürliche Grenze zwischen den Bundesstaaten, Mildura liegt noch in Victoria, wir queren nun mit dem Wohnmobil die Brücke nach New South Wales. Die Landschaft ändert sich jetzt schnell, wir lassen die fruchtbaren Böden des Murray-Beckens hinter uns und steuern geradewegs ins karge Outback. Und auch wenn wir auf unserer Tour nur auf asphaltierten Straßen unterwegs sind, so zeigen uns zumindest die Tafeln am Straßenrand, dass hier oft nur Staubpisten in die entlegenen Winkel der Region führen. Rund 300 Kilometer fahren wir auf dem Silver City Highway bis in die Bergbaustadt Broken Hill.

Straße im Outback

Quelle: Armin Tima

Typisch Outback: Zahlreiche Straßen sind nicht mehr
asphaltiert und bisweilen auch gesperrt.

Wie eine Insel liegt Broken Hill im staubigen Outback, noch heute zeugen Straßennamen wie „Oxide Street“ oder „Bromide Street“ von den glorreichen Zeiten des Bergbaus. Auf rund 100 Milliarden Dollar wird die Ausbeute bis zum heutigen Tag geschätzt. Der Tourismus ist hier stark auf dem Vormarsch, die Stadt besticht mit einer kreativen Kunstszene, entspanntem Lifestyle und guter Infrastruktur. Außerdem ist sie eine ideale Basis für Exkursionen, zum Beispiel per Wohnmobil, in die umliegenden Nationalparks.

Einen Abstecher ins nur 25 km entfernte Silverton gehört auf jeden Fall dazu. Einst eine pulsierende Bergbauortschaft, gibt es heute noch einen Pub, ein paar Galerien und eine Kamelfarm. Ansonsten nur viel Weite drum herum. Aber die Siedlung verströmt ein besonderes Flair und man kann hier atemberaubende Sonnenuntergänge erleben. Eine Szenerie, die auch etliche Filmemacher inspirierte, zahlreiche mehr oder weniger bekannte Streifen – darunter auch Teile der Mad Max Reihe – wurden hier gedreht.

Immer weiter gen Osten, bis nach Sydney

Rast mit dem Wohnmobil im Outback

Quelle: Armin Tima

Rast mit dem Wohnmobil im Outback: Spärlicher Schatten in der Mittagshitze

Von jetzt an führt unsere Reise nur noch gen Osten, rund 1200 Kilometer sind es auf dem kürzesten Weg nach Sydney, rund 750 Kilometer bis nach Dubbo, einer attraktiven 30.000-Einwohner Stadt. Es bieten sich je nach Zeitplan noch einige Zwischenstopps an, man kann aber auch einfach Strecke machen und die Szenerie auf sich wirken lassen. Eine Übernachtung sollte man bis Dubbo aber zumindest noch einplanen, denn besonders schnell kommt man, gerade mit dem Wohnmobil, trotz des mehr oder weniger schnurgeraden Highways ohnehin nicht voran: die erlaubte Höchstgeschwindigkeit beträgt 100 km/h und Verstöße kosten in Australien richtig viel Geld.

Die Felsformation "Three Sisters" in den Blue Mountains

Quelle: Armin Tima

Die Felsformation „Three Sisters“ in den Blue Mountains

Unser letzter Zwischenstopp vor Sydney ist der Blue Mountains National Park. Hier tummeln sich Urlauber aus aller Herren Länder und jede Menge Tagesausflügler aus der nur noch 100 km entfernten Metropole. Aber Abseits der Hotspots kann man den Menschenmassen gut aus dem Weg gehen und noch einmal so richtig die Natur genießen. Vor allem die gut ausgeschilderten – und mitunter auch sehr fordernden – Wanderungen sind absolut zu empfehlen. Verantwortlich für den Namen „Blue Mountains“ sind übrigens die öligen Ausdünstungen der Eukalyptusbäume, die sich wie ein blauer Dunst über die Landschaft legen.

Bondi Beach – Spätestens seit den Olympischen Spielen 2000 der wohl bekannteste Strand Australiens

Quelle: Armin Tima

Bondi Beach – Spätestens seit den Olympischen Spielen 2000 der wohl bekannteste Strand Australiens

Die letzte Etappe ist dann nur noch ein Katzensprung, nach insgesamt rund 2800 Kilometern erreichen wir die Küste, Endstation unserer Reise ist Sydney. Und hier sollte man auf jeden Fall noch einen mehrtägigen Aufenthalt einplanen. Die Museen der Stadt sind ausgezeichnet, die Food-Szene großartig und der Lifestyle so entspannt wie in kaum einer anderen Metropole. Wer noch ein paar Dollars in der Reisekasse hat, der sollte den „bridge climb“ in Angriff nehmen, eine geführte Tour über den Bogen der Sydney Harbour Bridge – von dort oben hat man wirklich einen besonderen Blick auf den Hafen und das weltberühmte Opernhaus. Und natürlich kann man vor der Heimreise noch an den fantastischen Stränden entspannen. Von denen soll es über 100 im Stadtbereich geben und die Einheimischen führen gerne heftige Diskussionen, welcher denn nun der schönste sei. Eine Frage, die auch wir hier nicht klären können. Der bekannteste Strand ist jedenfalls der Bondi Beach, hier wurden während der Olympischen Spiele im Jahr 2000 die Wettbewerbe im Beach-Volleyball ausgetragen.

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