Transit in Taiwan: Kostenlose Stadttour in Taipeh

Nach knapp 13 Stunden Flug von Frankfurt/Main nach Taipeh landet Eline für 12 Stunden in Taiwan, bevor es mit China Airlines weiter in Richtung Sydney und Auckland geht. Die Touristenbehörde von Taipeh bietet kostenlose Stadttouren für Transferpassagiere an – eine perfekte Art und Weise, die Beine zu strecken, den Jetlag zu bekämpfen und im Schnelldurchlauf in die Kultur Taiwans hineinzuschnuppern!  

Flughafen_TaipehEndlich angekommen! Naja, zumindest am Flughafen von Taipeh, der Hauptstadt von Taiwan. Draußen sind es angenehme, leicht bewölkte 20 Grad – deutlich besser als die Minus 5 Grad in Frankfurt, denen ich soeben entflohen bin.

Trotz meines sehr bequemen Premium Economy Flugs mit China Airlines von Frankfurt aus tut es gut, meine Beine endlich wieder zu benutzen. Als Europäerin benötige ich in für einen Aufenthalt von bis zu 90 Tagen in Taiwan kein Visum, und kann für die Dauer meines 12-Stündigen Transits vor Weiterflug problemlos einreisen.

Ich schlendere gemütlich zum Einreiseschalter und reiche der freundlichen jungen Grenzbeamtin meinen Pass. „Oh, you’re so pretty!“, kichert sie, nachdem sie mich gebeten hat, meine Haare hinter die Ohren zu streichen, damit sie mein von 13 Stunden Flug ordentlich zerknautschtes Gesicht mit meinem alles andere als schmeichelhaften Passfoto vergleichen kann. Ich bin definitiv in Asien, und habe gleich gute Laune!

Kostenlose mehrstündige Taipeh Stadttour für Transit-Passagiere

Nachdem mein Pass einen neuen Stempel bekommen hat, bin ich offiziell in Taiwan eingereist und steuere die Touristeninformation an. Für Transitpassagiere, die weniger als einen Tag im Land sind, wird hier eine kostenlose mehrstündige Stadttour durch Taipeh angeboten. Ich melde mich für die Nachmittagstour, die um 13:30 Uhr beginnen soll, an, und gehe zunächst in Ruhe einen Kaffee trinken und mich auffrischen. Den Rest der Zeit bis Tourbeginn verbringe ich mit meinem Buch in einem Sessel im Wartebereich.

1. Station: Chiang Kai Shek Memorial Taipeh

Chiang Kai Shek Memorial TaipehPünktlich um 13:30 Uhr holt uns unser Guide am Infoschalter ab, und wir besteigen einen klimatisierten Bus. Auf der etwa einstündigen Fahrt in Richtung Stadtzentrum von Neu-Taipeh erzählt unser Tourguide allerhand Spannendes rund um Taiwan. Ausnahmsweise bin ich kein bisschen vorbereitet, und finde die Information, dass Taiwan über hunderte Berggipfel über 3.000 Meter, die im Winter (also jetzt) sogar manchmal ein bisschen Schnee abbekommen genauso spannend, wie die Tatsache, dass Taiwan sich selbst als Republik China – nicht zu verwechseln mit der Volksrepublik China! – versteht, und insgesamt nur etwa so groß ist wie Baden Württemberg. „Baden Württemberg“ wird von unserem tollen taiwanesischen Tourguide, dessen Name für mich mit meinem jetlaggeplagten Kopf unangenehmerweise so unaussprechlich wie vergessbar ist, übrigens absolut fehlerlos ausgesprochen.

Taipeh: Chiang Kai Shek MemorialDie erste Station unserer Stadttour ist der Chiang Kai Shek Komplex in Taipeh. Dieser wurde zu Ehren des ehemaligen taiwanesischen Präsidenten Chiang gebaut. Auf über 25 Hektar erstrecken sich Parks, Pavillons, ein Museum und eine riesige Memorial Hall, in der neben einer Ausstellung über Chiangs Leben, seine diversen Ehefrauen, seine Autos und beeindruckender Holzvertäfelung in einer eigenen Ehrenhalle auch ein riesiges Standbild des ehemaligen Präsidenten zu finden ist. Hier findet zu jeder vollen Stunde eine typische „Changing of the Guard“ – Zeremonie statt: Behelmte Ehrengardisten marschieren durch die Halle, salutieren in alle Richtung, machen komplizierte Bewegungen mit ihren Rapieren (ohne sich selbst dabei zu verletzen) und wechseln sich mit der vorherigen Gardisten-Schicht ab.

Ich muss zugeben, dass militärische Manöver nicht gerade mein Ding sind. Stattdessen stehen ein paar Teilnehmer und ich gemeinsam mit unserem Tourguide etwas abseits und lassen uns mehr über Taiwan, die Beziehungen zu China und das beste Essen Taiwans erzählen. Spannend!

Der schönste Tempel in Taipeh? Longshan Tempel

Die nächste Station unserer Stadttour ist der Longshan Tempel in Taipeh. In typisch asiatischer Manier ist der Tempel nicht ausschließlich einer Gottheit oder auch nur einem Glauben geweiht, sondern wird von konfuzianischen, buddhistischen und taoistischen Gläubigen gleichermaßen besucht. Die hier hauptsächlich verehrte Göttin Kuan Yin steht für Mitgefühl und Empathie; entsprechend wird hier viel für Andere gebetet.

Long Shan Tempel TaipehNachdem wir aus dem Bus steigen, bewundern wir zunächst einmal die detaillierten Holzschnitzereien an den Tempelsäulen und Wänden. Es gibt viel zu sehen; fast mehr, als wir in so kurzer Zeit aufnehmen können: Chinesische Drachen, goldverzierte Spruch-Weisheiten, heilige Statuen, Opfertische und Weihrauch-Stationen. Der Tempel ist gut besucht, und es herrscht ein heiterer, seltsam gelassener Trubel. Wir schlängeln uns an unzähligen Gläubigen vorbei und ich fühle mich etwas seltsam, als Tourist in einer Stätte des Glaubens zu sein. Zum Glück lassen sich die gleichmütigen Taiwanesen sich von uns staunenden Besuchern nicht weiter in ihren Gebeten, Gesängen und Zeremonien stören.

Nach Anleitung unseres Tourguides zünden wir einige Weihrauch-Stäbe an und stecken sie, mit guten Wünschen versehen, in einen der auf dem Gelände verteilten Weihrauch-Kübel. Einige aus unserer Gruppe finden ihre Zukunft anhand von geworfenen Holzstäbchen heraus. Je nach Position der Holzstäbchen lautet die Antwort auf eine jeweils gestellte Frage „ja“, „nein“ oder „eher nicht“. Auf diese Art und Weise kann ermittelt werden, welche der hunderten, auf kleinen Papierschnipseln aufgeschriebenen „Glücksbotschaft“, die richtige für die jeweils betroffene Person ist. Die Zukunft scheint viele der Anwesenden zu beschäftigen: Im Tempel ist das Klicken der auf den Boden fallenden Holzteile, die die Form von Krabbenscheren haben, allgegenwärtig.

Taipeh Night Market

Taipeh NightmarketNach einem letzten Blick auf die beladenen Opfertische des Tempels begeben wir uns zur letzten Station unserer Stadttour: Dem Taipeh Tourist Night Market.

Zwar ist die Nacht noch lange nicht eingebrochen, doch sind diverse Gässchen bereits schummrig erleuchtet und bieten eine ungemeine Vielzahl an zur Schau gestellten Waren und vor allem Nahrungsmitteln aller Art. Von Dumplings über frisches Obst bis hin zu gebratenen Ratten und Cocktails mit Schlangenblut (kein Witz!) ist die Palette riesig – und nicht unbedingt immer nach europäischem Geschmack.

Gerade dieser exotische Faktor macht diesen Teil Taipehs spannend für Touristen, wir sind also bei Weitem nicht die einzigen, die einen Blick riskieren. Vom lauten und mir persönlich bisweilen eher unangenehmen Chaos zentralasiatischer Märkte sind wir trotzdem weit entfernt; alles läuft sehr ordentlich und ruhig ab, und jeder von uns hat genug „personal space“, um auch den menschenfeindlichsten Europäer zufrieden zu stellen.

Nightmarket TaipehNeben den, sagen wir mal, interessanten Nahrungsmitteln gibt es auch unterschiedlichen Taipeh-Touristentinnef und Glücksbringer zu kaufen. Spannend sind für mich vor allem die alten chinesischen Münzen (mit Loch in der Mitte!) und diverse handbemalte Götterbilder. Kaufen werde ich dennoch nichts – schließlich habe ich noch sechs Wochen Reisen vor mir – und sollte mein Gepäck noch tragen können!

Nach einem wirklich spannenden Marktbesuch werden wir ungefähr 5 Stunden nach Tourbeginn müde, aber glücklich wieder am Flughafen abgeliefert, und bekommen sogar jeder noch ein kleines Dankeschön dafür, dass wir an der Tour teilgenommen haben.

Insgesamt ein absolut lohnenswerter kleiner Zwischenstopp in Taiwan – und der perfekte „Müdemacher“ für meinen folgenden Flug nach Auckland via Sydney!


Alle Infos zur kostenlosen Taipeh-Stadttour für Transit-Passagiere gibt es hier.

Für Transit- und Stopover-Aufenthalte in Taiwan empfehlen wir einen Flug mit China Airlines.

 

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