Help & Travel in Tansania

Kunden-Erfahrungsbericht

Volontär in Afrika – ein Abenteuer für Idealisten

Man ist mit der Schule fertig, schmiedet schon fleißig Zukunftspläne und doch will man noch ein Abenteuer erleben bevor man ein langwieriges Studium oder eine Ausbildung beginnt. Natürlich kann man nach Australien oder Neuseeland reisen um dort „work and travel“ oder immer öfter auch einfach nur „travel und travel“ zu machen. Auch wenn diese Erfahrung sicherlich sehr schön und die Landschaft beeindruckend ist, haben mich doch zwei Dinge davon überzeugt mich für Afrika zu entscheiden.

Erstens ist die Erfahrung sehr viel Einzigartiger, da Afrika im Vergleich mit zum Beispiel Australien nicht von reiselustigen, Rucksack-Abiturienten in Feierlaune überschwemmt wird. Wenn du dich also für Afrika entscheiden solltest, wirst du nicht einer von vielen sein, sondern zu den wenigen gehören, die sich in ein echtes Abenteuer gewagt haben.

Der zweite Punkt der mich überzeugt hat, mag wohl Abschreckung und Anziehung zugleich sein. Afrika trägt nicht umsonst den Beinamen „Dritte Welt“. Die Menschen dort sind sehr arm und die allgemeinen Umstände sehr schwierig. Umso abenteuerlicher ist das Ganze – natürlich stellt einen Afrika vor riesige Herausforderungen, mit fremden Kulturen und Sprachen, befremdlichen Ideologien und Arbeitsweisen – meistert man diese aber, ist das Erfolgsgefühl und die Zufriedenheit danach dafür umso größer.

Was auf dich zukommen wird falls du dieses Abenteuer wagen solltest, erfährst du hier in meinem Erfahrungsbericht.

Unterkunft und Verpflegung

Dein tansanisches Zuhause wird in einem beschaulichen Vorort namens Usa River liegen, circa 20 km von Arusha entfernt. Du wirst bei Dr. Joshua Kuboja wohnen, der Englischprofessor an der Universität von Arusha ist. Die Volontäre haben ein eigenes kleines Haus auf Joshuas Grundstück mit zwei Schlafzimmern, zwei Badezimmern und einem Gemeinschaftswohnzimmer in der Mitte. Die Zimmer sind recht spartanisch möbliert wie du auf den Bildern sehen kannst.

Nichtsdestotrotz sind sie gemütlich und bieten alles was man braucht. Der Strom fällt ab und an für ein paar Stunden aus, was aber nicht weiter schlimm ist – es schadet trotzdem nicht sich für den Fall der Fälle eine Powerbank für Smartphones oder Laptops mit zu nehmen. Es gibt fließend Wasser, allerdings nur kalt. Da es aber ohnehin sehr heiß ist, ist eine kalte Dusche eine willkommene Erfrischung. Das Wasser fällt aber relativ häufig aus – es ist also durchaus von Vorteil ein paar Eimer mit Wasser zu füllen, um den einen oder anderen Tag problemlos überbrücken zu können. W-Lan gibt es übrigens nicht, das ist aber kein Problem, weil mit der richtigen Sim-Karte (Halotel) 1 GB Datenvolumen so viel kostet wie 1 Liter Trinkwasser.

Da du ja wahrscheinlich nicht nur 2 Wochen bleiben wirst, kommst du am Wäsche waschen nicht vorbei. Wie du dir sicherlich denken kannst gibt es keine Waschmaschinen – gewaschen wird per Hand in Bottichen. Das ist zwar sehr zeitaufwendig, funktioniert aber gut und man hat sich schnell daran gewöhnt.

Stellt sich eigentlich nur noch die Frage wie das Essen denn so ist. Vorab – es ist gewöhnungsbedürftig aber nicht schlecht. Das Gute ist, dass Joshuas Frau Beatrice, die Herrin des Hauses, die ersten zwei Wochen alles kocht was die tansanische Küche zu bieten hat und dich danach fragt was dir am besten geschmeckt hat. Ich war zum Beispiel ein großer Fan von Reis mit grünen Bohnen oder Reis mit Kraut – mein persönliches Highlight war aber „Chips Mayai“ (Omelette mit Kartoffeln, Zwiebeln, Karotten etc.). Außerdem gibt es immer reichlich Obst, wie Bananen, Wassermelonen, Mangos und Ananas – ehrlich, ich habe noch nie so leckeres Obst gegessen.

Wie du siehst ist es kein Problem vegetarisch zu sein, da es ohnehin so gut wie gar kein Fleisch gibt. Wenn du bestimmte Sachen nicht magst, dann sag Beatrice das einfach. Sie wird mit Sicherheit Rücksicht nehmen.

Arbeit im Krankenhaus

Das Volontär-Projekt bietet viele verschiedene Arbeitsmöglichkeiten. Man kann unter anderem eine Lehrtätigkeit in Schulen übernehmen oder sich um bedürftige Kinder in einem Waisenhaus kümmern. Für mich kam damals aber außer dem Krankenhaus nichts in Frage. Zum einen weil ich kurz zuvor meine Ausbildung zum Rettungssanitäter im Zuge des Bundesfreiwilligendienstes abgeschlossen habe, zum anderen weil ich Medizin studieren möchte und mich dadurch besonders für diese Arbeit interessiere. Folglich kann ich auch nur über die Arbeit im West Meru Hospital berichten. Natürlich ist eine ordentliche Portion Idealismus nötig um überhaupt nach Afrika zu gehen um dort zu helfen. Man muss sich aber im Klaren sein, dass man dadurch nicht die ganze Welt retten kann. Dafür kann man Einzelschicksale verändern – und im Nachhinein war jedes einzelne Kinderlächeln die Sache wert.

Das Krankenhaus hat mehrere Stationen, dazu zählen „Female Ward“, „Male Ward“, „Pediatric Ward“, „Minor Theatre“ und „Major Theatre“. Die ersten drei sind die Betten-Stationen für Frauen, Männer und Kinder. Hier wirst du in erster Linie Menschen mit HIV, Tuberkulose und ab und an auch Lepra vorfinden. Die Betten-Stationen sind nicht mit dem zu vergleichen was man von hier kennt. Alles erinnert eher an ein Lazarett was den Aufbau anbelangt. Zwei Räume mit jeweils 20 Betten die mit einem 15 cm Abstand nebeneinanderstehen. Ein riesiges Problem ist wie überall im Krankenhaus die Hygiene (unbedingt genügend Handschuhe und Desinfektionsmittel mitnehmen!). Zum einen sind aus Platzmangel manche Betten mit zwei Patienten gleichzeitig belegt, zum anderen gibt es einen ganzen Schwarm von Fliegen die von der einen eitrigen Wunde in die nächste fliegen und dadurch natürlich alles Mögliche übertragen. Befremdlich ist auch, dass es keinerlei Patientenverpflegung gibt. Wenn man also keine Familie hat die Essen bringt, dann muss man eben Hungern. Die medizinische Versorgung lässt auch sehr zu wünschen übrig.

Meistens fehlen sowohl Diagnostik-Geräte als auch Medikamente, die manche Patienten bitter nötig hätten. Wie oben bereits erwähnt ist HIV eines der Hauptprobleme in dieser Region – jeder vierte zwischen 16 und 25 trägt den Virus in sich. Da es so gut wie keine Behandlungsmöglichkeiten im Krankenhaus gibt, musst du dir dessen bewusst sein, dass du viele Menschen (auch in deinem Alter und jünger) an den Folgen von HIV sterben siehst und dabei nur hilflos zusehen kannst.

Als Hauptarbeitsplatz habe ich damals das „Minor Theatre“, sozusagen das „kleine OP“ gewählt, da die Arbeit hier am interessantesten ist. Unter andrem werden dort Brüche gegipst, Verletzungen genäht, Wunden gesäubert und eben auch kleine Operationen wie etwa Beschneidungen vorgenommen. Man braucht hier aber oft einen sehr starken Magen – vor allem, weil die stark infizierten eitrigen Wunden unfassbar ekelhaft riechen (und ich habe glaube ich eine recht hohe Schmerzgrenze was das betrifft). Aber auch was man sieht bringt einen oftmals an seine Grenzen. So hatten wir eine junge Frau, der als Bestrafung das Gesicht mit einem Messer zerschnitten wurde oder eine Andere die versuchte von ihrer Plantage wegzulaufen und der dafür die Hände abgehackt wurden. Einmal wurde ein dreizehn Jahre altes Mädchen ins Krankenhaus gebracht, dass man mit Benzin übergossen und dann angezündet hatte. Wie gesagt – die Arbeit ist sehr interessant aber oftmals auch ziemlich erschreckend. Man muss wissen worauf man sich einlässt.

Freizeitgestaltung

Ein absolutes Muss ist natürlich eine Safari. Mich hat im Leben noch nichts so sehr begeistert wie die Serengeti. Unendliche Ebenen und eine wunderschöne Natur. Ich hatte sogar das große Glück die kompletten BIG5 zu sehen. Ein Tipp meinerseits ist die Safari bei einem deutschen Unternehmen zu buchen – das erspart euch einiges an Scherereien, außerdem habt ihr einen verlässlichen Ansprechpartner falls etwas nicht passen sollte. Ein weiteres Problem sind die Geldüberweisungen, da das Bankensystem in Tansania ganz anders funktioniert.

Empfehlenswert ist auch die tansanische Insel Sansibar. Man kann in wunderschönen Korallenriffen schnorcheln und verschiedene Sehenswürdigkeiten besuchen – zum Beispiel „Prison Island“ mit den Riesenschildkröten oder eine der Gewürzplantagen. An all den anderen Tagen kann man sich einfach gemütlich an einen der vielen schneeweißen Strände legen und im saphirblauen Wasser plantschen.

Neben diesen zwei großen Ausflugszielen gibt es auch unzählige kleine, die man leicht am Wochenende machen kann – dazu gehören zum Beispiel die Hotsprings von Maji Moto oder der Mount Meru Wasserfall. Am besten geht man dafür einfach in das Tourismuszentrum in Tengeru (das Dorf in dem das Krankenhaus ist). Ansonsten kann man sich mit anderen Volontären treffen und unternehmen worauf immer man Lust hat. Es ist vorteilhaft, wenn man sich vorher informiert wie viele andere Volontäre momentan da sind und sich von denen vorab die Handynummern geben lässt.

Fazit

Afrika ist wunderschön und erschreckend zugleich. Es dauert eine gewisse Zeit bis man sich den Gegebenheiten angepasst hat, aber es lohnt sich. Es erweitert den Horizont und lässt dich manche Dinge anders sehen. Außerdem lernt man Dinge die für uns selbstverständlich geworden sind wieder zu schätzen, und viele Probleme erscheinen auf einmal sehr klein nachdem man gesehen hat, mit welchen Problemen die Menschen dort zu kämpfen haben. Es ist eine wunderbare Möglichkeit etwas über das Leben zu lernen und sich selbst zu finden. Ich bin sehr froh, dass ich diese Erfahrung machen durfte und ich bereue nichts.

Es gibt nicht viele Menschen in Europa, die das gesehen und erlebt haben was du in Afrika erleben kannst – also trau dich.

Beste Grüße

Jakob Eberl

 

 

 

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